Börsen-Talfahrt verlangsamt – Rezessionsangst bleibt

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Frankfurt, 14. Jun (Reuters) – Einen Tag vor dem mit Spannung erwarteten Zinsentscheid der US-Notenbank Fed lässt der Verkaufsdruck an Europas Börsen nach. Ein Stimmungsumschwung sei aber nicht zu beobachten, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. „Der Cocktail aus Inflation, Zins- und daraus resultierender Rezessionsangst schmeckt den Anlegern überhaupt nicht. Das bittere Sahnehäubchen ist ein neuerlicher möglicher Lockdown in China.“

Dax und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils ein knappes Prozent auf 13.304,39 beziehungsweise 3476,41 Punkte, nachdem sie zum Wochenauftakt um etwa 2,5 Prozent abgerutscht waren.Der US-Standardwerteindex Dow Jones notierte mit 30.310,41 Zählern zeitweise so tief wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. 

Sorgen bereitete Investoren der anhaltende Anstieg der Inflation. In Deutschland kletterte die Teuerungsrate auf 7,9 Prozent, den höchsten Stand seit rund 50 Jahren. In den USA stieg der Wert zuletzt sogar auf 8,6 Prozent. Eine Lohn/Preis-Spirale sei längst im Gang, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. „Löhne lassen sich am schwersten bändigen. Daher müssen die Notenbanken nicht nur die Zinsen erhöhen, sondern eine Rezession orchestrieren. Sie versuchen dies so sanft wie möglich, aber man kann sich kaum etwas Schwierigeres vorstellen.“ 

HALBER ODER DREIVIERTEL PROZENTPUNKT?

An der Börse gilt inzwischen als sicher, dass die Fed am Mittwoch den Leitzins um 0,75 statt der signalisierten 0,5 Prozentpunkte anhebt. „Investoren haben erkannt, dass die Fed nicht mehr den Luxus hat, sich Zeit nehmen zu können“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Vor diesem Hintergrund stieg der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, um bis zu 0,3 Prozent und markierte mit 105,45 Punkten den zweiten Tag in Folge ein 19-1/2-Jahres-Hoch. 

Da auch die Europäische Zentralbank (EZB) vor einer Serie von Zinserhöhungen steht, trennten sich Investoren auch von europäischen Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf ein Achteinhalb-Jahres-Hoch von 1,776 Prozent. Da ihre zehnjährigen Pendants noch stärker unter Druck gerieten, erreichte der Renditeabstand (Spread) dieser Papiere den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. 

BITCOIN IM MINUS – ÖLPREIS IM AUFWIND

Verkauft wurden weiter auch Kryptowährungen. Bitcoin und Ethereum brachen zeitweise um mehr als zehn Prozent ein. Mit 20.794 beziehungsweise 1074 Dollar notierten sie so niedrig wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. „Angst und Verunsicherung sind riesig“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Alles, was irgendeine Art von Risiko mit sich bringt, wird verkauft.“ 

An den Rohstoffmärkten stieg dagegen der Preis für die Rohöl-Sorte Brent um 1,6 Prozent auf 124,28 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Ausfall russischer Lieferungen könne nicht kompensiert werden, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Viele Förderländer investierten zu wenig, um ihre Produktionskapazitäten auszuweiten. 

PROGNOSE-SENKUNG SETZT HORNBACH ZU – ORACLE IM AUFWIND

Am deutschen Aktienmarkt sorgte ein rund 17-prozentiger Kurssturz von Hornbach für Aufsehen. Gekappte Gewinnziele brockten den Papieren des Baumarkt-Betreibers den zweitgrößten Tagesverlust der Firmengeschichte ein. Wegen des schwierigen Branchenumfelds komme die Prognosesenkung zwar nicht völlig überraschend, schrieb DZ Bank-Analyst Thomas Maul. Allerdings seien die nun kassierten Ziele erst vor etwa vier Wochen veröffentlicht worden. 

Die Papiere von Oracle verbuchten dagegen mit einem Plus von bis zu 13 Prozent den größten Kurssprung des Jahres. Der Softwarekonzern hatte ein Quartalsergebnis über Markterwartungen bekannt gegeben. Der Ausblick für das Cloud-Geschäft habe ebenfalls positiv überrascht, lobte Analyst Derrick Wood vom Vermögensverwalter Cowen. Dank des beschleunigten Wachstums habe die Aktie noch Luft nach oben.

Börsen-Talfahrt verlangsamt – Rezessionsangst bleibt

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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