Auftragszuwachs der Industrie, Meinungen von Ökonomen

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Berlin, 06. Jan (Reuters) – Die deutsche Industrie hat sich im November dank der guten Auslandsnachfrage stärker als erwartet vom zuvor erlittenen Auftragseinbruch erholt. Die Unternehmen zogen 3,7 Prozent mehr Bestellungen an Land als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Wachstum von 2,1 Prozent gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es dazu:

THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:

„Der Auftragsverlauf ähnelt damit einer Berg- und Talbahn. Die Lieferschwierigkeiten bei vielen Produkten führen zu Produktionsunterbrechungen. Wird weniger produziert, leidet in weiterer Folge auch der Bedarf an Vorprodukten und Rohstoffen. Ganz ungetrübt ist deshalb der kurzfristige Ausblick für die deutsche Industrie nicht mehr. Daran ändern auch die wieder besseren November-Daten zu den Auftragseingängen nichts.

Doch ganz grundsätzlich gilt: Der ökologische Umbau der Industrie und die Digitalisierungswelle sind langfristig gute Nachrichten für die deutsche Industrie. Auch die Investitionspläne der deutschen Bundesregierung helfen dem verarbeitenden Gewerbe. Die Auftragsbücher werden trotz kurzfristiger Rückschläge auf Sicht der kommenden Jahre gut gefüllt bleiben.“

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

„Es war klar, dass sich die Auftragseingänge im November erholen würden, nachdem sie im Oktober um 5,8 Prozent eingebrochen waren. Aber der Trend weist bei den Auftragseingängen noch nach unten. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Bestände nicht abgearbeiteter Aufträge laut Daten des Ifo-Instituts so hoch sind wie zuletzt Anfang der 60er Jahre. Diesen Auftragsberg werden die Industrieunternehmen durch ein kräftiges Hochfahren ihrer Produktion abarbeiten, wenn sich die Materialengpässe ab dem Frühsommer mit sinkenden Corona-Zahlen deutlich entspannen. Erste Anzeichen einer Entspannung gibt es in der Autoindustrie, die ihre Produktion nach Verbandsangaben bereits zwei Monate in Folge steigern konnte.“

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

„Der Anstieg ist ein Reflex auf den äußerst schwachen Vormonat, er gleicht den dortigen Rückgang aber nicht aus. Die Auftragsbücher sind weiter voll, so dass die Perspektive unverändert stimmt. Erfreulich ist vor allem die Belebung des Auslandsgeschäfts, zumal Lieferengpässe abzunehmen scheinen. Bis die Lieferlogistik aber reibungsloser funktioniert, ist das erste Halbjahr wohl vorüber. Es bleibt zu hoffen, dass die Industrie von harten Quarantäne-Regeln verschont bleibt.“

Auftragszuwachs Illustration Meinung

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