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Samstag, Januar 28, 2023

Aufschwung oder Crash? – Experten uneins über Kurs der Börsen 2023

Expertenmeinungen

Frankfurt, 30. Dez – Mit kräftigen Kursverlusten hat das Jahr 2022 Dax-Anlegern zu schaffen gemacht. Ob Investoren 2023 aufatmen können, darüber sind Analysten verschiedener Ansicht. Während sich einige verhalten optimistisch äußern und mit Zuwächsen in der zweiten Jahreshälfte rechnen, schließen andere einen Crash in derselben Periode nicht aus. Zu den vorsichtigen Optimisten gehört etwa die Deutsche Bank. Ihre Analysten gehen von mittleren einstelligen Renditen an den Aktienmärkten aus. Aufgrund von niedrigen Bewertungen bei stabilen Unternehmensgewinnen blieben Aktien eine interessante Anlageoption. „Die Prognose für den Dax liegt bei 15.000 Punkten zum Jahresende 2023.“ 

Derzeit liegt der Deutsche Aktienindex bei rund 14.000 Zählern und hat damit im Jahresverlauf einen Verlust von rund zwölf Prozent verbucht. Das ist im Vergleich zu dem von der Finanzkrise geprägten Jahr 2008 mit einem Minus von knapp 40 Prozent eher wenig. Dennoch ist ein Rückgang im Dax über das Jahr eher ungewöhnlich. Sogar im Corona-Jahr 2020 hatte der Index der 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen 3,7 Prozent zugelegt. 

GEWINNCHANCEN BEI AUSGEWÄHLTEN WERTEN

Im kommenden Jahr ist die sorgfältige Auswahl von Aktien und Sektoren Analysten zufolge besonders wichtig. Denn trotz der trüben Prognosen für die breitere Wirtschaft gebe es auch Chancen. Vermögensverwalter Amundi Deutschland geht davon aus, dass auch 2023 geopolitische Themen den Aktienmarkt bestimmen werden. Da könnten sich vor allem Anlagen in Bereiche wie grüne Energie, Lebensmittelversorgung oder strategische Autonomie lohnen, sagt Investmentchef Thomas Kruse. Beim Thema Nachhaltigkeit setzen Mark Nichols und Mark Heslop vom Vermögensverwalter Jupiter auf Bauunternehmen, die auf Gebäudedämmung spezialisiert sind. Die Schweizer Julius Bär Bank rät Investoren, selektiv auf Wachstumsaktien wie Technologiewerte zu setzten.

Zudem spielt auch die Auswahl von Regionen eine Rolle. Die Erholung der US-Märkte könnte den Experten der Deutschen Bank zufolge weniger ausgeprägt sein als die in anderen Regionen. Der Grund: Die Aktienkurse dort seien 2022 nicht so dramatisch eingebrochen, und die meisten anderen Märkte könnten sich von niedrigen Bewertungen aus gut entwickeln.

RÄTSELN ÜBER RICHTUNG IN ZWEITER JAHRESHÄLFTE 

Eine globale Rezession scheint den Marktbeobachtern zufolge so gut wie ausgemacht. Doch bei der Einschätzung, wie stark der Konjunkturrückgang ausfallen könnte, gehen die Meinungen auseinander. Die Mehrzahl der Experten geht von einer Erholung der europäischen Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte aus. Sie setzen auf Friedensgespräche in der Ukraine, ein Nachlassen der Inflation in den USA und die Wiedereröffnung der chinesischen Wirtschaft.

Es gibt aber auch pessimistische Stimmen: „Wir glauben nicht an das Szenario, dass die USA Anfang nächsten Jahres eine milde und kurze Rezession erleben werden“, sagt Gergely Majoros, Mitglied des Investment Komitees beim französischen Vermögensverwalter Carmignac. Vor allem die straffe Geldpolitik der Zentralbanken sowie die unsichere Aussicht auf eine Zinserhöhungspause verunsichert Investoren. „Zeiten mit schrumpfender Liquidität haben in der Vergangenheit zu erheblichen Luftlöchern an den Märkten geführt, das jüngste Beispiel war der Crash im vierten Quartal 2018“, sagt Benjamin Melman, Investmentchef von Edmond de Rothschild Asset Management. „Wir können daher nicht ausschließen, dass ein solches Phänomen ohne Vorwarnung wieder auftritt.“ 

DAS JAHR DER ANLEIHEN 

Mit der Zinswende der US-Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Anleihekurse 2022 gefallen und die Renditen entsprechend gestiegen. „Setzt sich die Marktwahrnehmung eines ‚höher für länger‘ beim Zinsausblick durch, würde das zunächst für eine Phase schwächerer Börsen und festerer Renditen an den Rentenmärkten sprechen“, sagt DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Bis Ende 2023 rechnen Analysten der Deutschen Bank mit Renditen in Höhe von 4,2 Prozent und 2,4 Prozent für die zehnjähriger US-Staatsanleihe beziehungsweise die zehnjährige Bundesanleihe.

Auch die Renditen von Unternehmensanleihen – vor allem in Europa und bei hochbewerteten Unternehmen – sind nach Einschätzung der Experten interessant. Der Vermögensverwalter Amundi Deutschland ist bei Anleihen ebenfalls zuversichtlich. Investoren sollten demnach den Schwerpunkt auf hochwertige Unternehmensanleihen legen. Dabei sollte man auf Deviseneffekte, Liquiditätsrisiken und die Verschuldung der Unternehmen achten.

Aufschwung oder Crash? – Experten uneins über Kurs der Börsen 2023

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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