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Samstag, Dezember 10, 2022

VeeCon 2022: Die Entertainment-Industrie liebt NFTs!?

Expertenmeinungen

Ein Gastbeitrag von Bernhard Neumann.
Die Entertainment-Branche hat auf digitales Eigentum in Form von NFTs jahrzehntelang gewartet. Nun nimmt sie sich rasant der neuen Technologie an.

Vor ein paar Wochen fand die VeeCon, eine der größten NFT– und Web3-Konferenzen der Welt in Minneapolis, USA statt. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und bin kurzerhand in das erstaunlich leere und entschleunigte Minneapolis gereist. Der Veranstaltungsort war das US Bank Stadium, ein modernes, komplett überdachtes American Football Stadion mit riesigem Fassungsvermögen. Über drei Tage hinweg wurden den 8.000 Besucher:innen zahlreiche Podiums-Diskussionen geboten. Die Inszenierung des Events war in jeglicher Hinsicht großes Kino. Ob eine perfekt gestaltete Bühnenshow, DJ-Auftritte, Konzerteinlagen oder einfach einem Riesenrad im Stadion. Veranstaltungen wie diese haben die Amerikaner einfach drauf. Passend dazu waren auch viele Speaker:innen aus Hollywood vertreten.

2022_VeeCon 2022

Hollywood liebt NFTs

2022_VeeCon_Pharrell Williams

Der mehrfache Grammy-Gewinner Pharrell Williams sprach lange über den Wandel in der Gesellschaft, den Crypto und auch NFTs bringen können. Konkret meint er damit den Wandel von der „Plattform Economy“ im Web2 hin zur „Ownership Economy“ des Web3. Ein Schlüsselthema der Ownership Economy ist, dass die Nutzer:innen schneller zu Eigentümer:innen werden als in ihren zentralisierten Pendants (z.B. Facebook). So können Nutzer:innen wie bisher zur Wertschöpfung der Netzwerke oder Produkte beitragen, aber gleichzeitig auch direkt davon profitieren. Auch Künstler:innen haben in diesem System ungleich mehr Möglichkeiten, mit ihren Fans zu interagieren und ihre Kunst zu monetarisieren. 

Möglich machen die oben beschriebenen Chancen die Blockchain. Besonders der Aspekt des digitalen Eigentums und die damit verbundene digitale Knappheit spielt eine zentrale Rolle. Nicht verwunderlich ist es, dass Williams kurz nach seinem Auftritt bekannt gab, eine eigene NFT Plattform namens GODA aufzubauen. Über die Plattform können Künstler:innen NFTs nützen, um einzigartige Fan-Erlebnisse zu schaffen und sich auf neue Weise mit ihren Unterstützer:innen zu verbinden.

In der direkten Interaktion von Künstler:innen und Fans durch NFTs sehen auch viele andere Hollywood-Größen auf der VeeCon großes Potenzial. Neben Eva Longoria, Seth Green, Liam Payne, Mila Kunis und Steve Aoki, fand ich besonders die Ansichten von Guy Oseary spannend. Er ist ein amerikanischer Manager, der durch seine Tätigkeit für Madonna und U2 bekannt wurde. Er sprach passioniert davon, wie Smart Contracts – eine Vertrags-Technologie, die auf einigen Blockchains läuft – besonders die Musikszene revolutionieren kann. Hier kommt es immer noch viel zu oft dazu, dass Künstler:innen durch extrem unvorteilhafte Verträge ausgenutzt und ausgebeutet werden. Oseary sieht in Smart Contracts eine vielversprechende Lösung. Darüber hinaus spricht er darüber, dass NFTs auch Film und Fernsehen revolutionieren werden. 

Er sieht viel Potenzial darin, dass Fans durch NFTs nicht nur Eigentum an den Filmen haben können, sondern auch den Verlauf von Film und Fernsehen mitgestalten können. Man stelle sich vor, es gehört einem ein Tausendstel des Star Wars Charakters Meister Yoda, oder man kann den Verlauf einer Serie als Fan mitgestalten. 

Persönlich leuchten mir als Fan bei diesen Gedanken die Augen. Für große Franchises wie Star Wars ist das eventuell Fantasie oder zumindest Zukunftsmusik, bei vielen kleinen Projekten wird dies aber bereits praktiziert. So verkaufte der Regisseur Miguel Faus NFTs, um seinen nächsten Film zu finanzieren. Die Regisseurin Julie Pacino geht noch einen Schritt weiter und lässt Halter:innen ihres NFT-Film-Projekts „I Live Here Now“ über das Drehbuch abstimmen und Einfluss nehmen. 

2022_VeeCon_Snoop Dog

Veecon-Tickets sind auf einmal 3x so viel wert

Zum Schluss noch eine verblüffende Geschichte von der VeeCon, die so wahrscheinlich nur im NFT-Space möglich ist. Das Ticket der VeeCon selbst war passenderweise ein eigenes NFT. In der Praxis hat das aus meiner Sicht erstaunlich gut funktioniert, allerdings setzt es ein gewisses technisches Wissen voraus, das bisher nur Menschen haben, die sich aktiv mit NFTs auseinandersetzen. 

Aber was war passiert:

In einer der letzten Podiums-Diskussionen der Konferenz haben der Rapper Snoop Dog und Gastgeber Gary Vee verkündet, dass die Halter:innen der VeeCon 2022-Tickets einen sogenannten Airdrop (kostenloses NFT) des neuen Projekts von Snoop Dog bekommen. Daraufhin begann ein nachträgliches Rennen auf die VeeCon-Tickets (NFT). Der Preis lag in der Spitze dreimal so hoch wie vor der VeeCon. 

Veecon Bernhard Neumann
Bernhard Neumann auf der VeeCon

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe noch nicht von einem Ticket gehört, dass nach der Entwertung signifikant mehr wert ist als davor. Möglich ist dies zum einen durch die transparente Handelbarkeit von NFTs. Zum anderen aber auch dadurch die technische Beschaffenheit von öffentlichen Blockchains, die es möglich machen auf beliebige NFTs aufzubauen. Die Daten sind frei verfügbar und so kann jeder darauf zugreifen – in diesem Fall Snoop Dog. Sind wir gespannt, was er für seine Fans erschafft.

Mein Fazit

All die Perspektiven der Speaker:innen und die persönlichen Gespräche auf der VeeCon haben mir klar gemacht, dass NFTs nicht nur ein sehr großes Potenzial haben, um viele Industrien neu zu ordnen. Sondern auch, dass bereits hunderttausende Menschen daran arbeiten. Ob man nun ein Fan von Crypto, NFTs und dem Web3 ist oder nicht. Ich denke, es ist aufregend und positiv, dass viele kluge Köpfe jetzt daran arbeiten, wie sich unsere Art zu wirtschaften und digital zu interagieren in der Zukunft verbessern kann. 

Ein Gastbeitrag von Bernhard Neumann.

Über den Autor:

Bernhard ist Branding & NFT Stratege aus München und hilft Marken beim Eintritt ins Web3 und in NFTs. Er ist aktiver Crypto- und NFT-Investor und baut aktuell eine Growth Community für Unternehmer:innen im NFT- und Web3-Space auf.

Wir bedanken uns bei Bernhard Neumann für seinen Gastbeitrag. Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Fotos: Bernhard Neumann

VeeCon 2022: Die Entertainment-Industrie liebt NFTs!?

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