3.8 C
München
Donnerstag, Februar 2, 2023

Unternehmensanleihen Schwellenländer 2023: erfreuliche Renditeaussichten

Expertenmeinungen

Schwellenländer-Unternehmensanleihen 2023:

Bewertungen, Renditen und Fundamentaldaten könnten interessant werden

Von Christopher Mey, Head of Emerging Market Corporate Credit bei Candriam

Das vergangene Jahr war für festverzinsliche Anlagen ein schwieriges Jahr, Unternehmensanleihen aus Schwellenländern waren da keine Ausnahme. Das Jahr 2023 dürfte besser werden – vorausgesetzt, Investoren treffen bei den Titeln eine sorgfältige Auswahl.

Der Markt für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern erlebte ein schwieriges Jahr: Er verbuchte einen Renditeverlust von 13,6 Prozent, eine Folge des Ukrainekriegs, der die Rohstoffpreise ansteigen ließ und zu einer unerwartet starken Ausweitung der Spreads führte. Auch 2023 dürfte die Volatilität hoch bleiben und es ist davon auszugehen, dass sich die Fundamentaldaten leicht verschlechtern werden. Im letzten Berichtszyklus hat sich gezeigt, dass die Margen in zyklischen Branchen wie der Chemie, der Petrochemie und dem Immobiliensektor unter Druck stehen. Zwar haben einige Unternehmen bewiesen, dass sie in der Lage sind, die höheren Kosten an ihre Kunden weiterzugeben und so ein nominales Umsatzwachstum zu erzielen, doch die Kontrolle über die Inputkosten hat abgenommen, was eine geringere Rentabilität und einen höheren Verschuldungsgrad zur Folge hat.

Erwartungen: optimistisch

Dennoch gibt der Ausblick auf die Schwellenländer Grund für Optimismus. Denn: Die absoluten Bewertungen sind attraktiv, die Fundamentaldaten robust und auch das technische Bild sieht für die nächsten 12 Monate günstig aus. Eine Bruttogesamtrendite für das Jahr 2023 von 10 bis 15 Prozent ist realistisch – bedingt unter anderem durch einen historisch hohen Carry (7,6 Prozent) und eine Einengung der Spreads von bis zu 100 Basispunkten gegenüber dem aktuellen Niveau. In Anbetracht einer erwarteten realisierten Ausfallrate von 4 Prozent bei Schwellenländerunternehmen und einer durchschnittlichen historischen Erlösquote von 0,39 US-Dollar ist mit Kreditverlusten von 2,5 Prozent bei einer prognostizierten Nettorendite von 7,5 bis 12,5 Prozent zu rechnen.

Gleichzeitig gehen die Unternehmen der Schwellenländer mit soliden Bilanzen in das Jahr 2023 und sind auch im Vergleich zu den Unternehmen der Industrieländer gut aufgestellt. Die Geschäftsberichte für das Jahr 2022 lassen zwar noch etwas auf sich warten, aber die Nettoverschuldung der Schwellenländerunternehmen lag in den vergangenen 12 Monaten mit 1,5 deutlich unter dem geschätzten US-Durchschnitt von 2,5. Emittenten aus Schwellenländern haben in vergangenen Krisen, in denen die Kapitalmärkte über längere Zeiträume geschlossen waren, viel Erfahrung gesammelt und steuern ihr Fälligkeitsprofil in der Regel proaktiver. JP Morgan zufolge sank das Volumen der emittierten Anleihen bei Schwellenländerunternehmen von 130 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 auf 78 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022. Somit stehen für die Anlageklasse insgesamt im Jahr 2023 nur wenige Fälligkeiten an.

Ausfallraten normalisieren sich

Auch die Ausfallquoten dürften sich im Jahr 2023 gegenüber dem historisch hohen Niveau von 2022 normalisieren – hier hatten der Einbruch des chinesischen Immobiliensektors und die zahlreichen Ausfälle russischer und ukrainischer Unternehmen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine die Raten in die Höhe getrieben. Für das High-Yield-Segment im Jahr 2023 sind Ausfallquoten von 6 bis 8 Prozent realistisch, das entspricht für den gesamten Markt für Schwellenländer-Unternehmensanleihen einer Quote von 3 bis 4 Prozent.

Bei Emittenten mit niedrigerem Rating bestehen nach wie vor erhöhte Refinanzierungsrisiken, denn die Refinanzierungskosten sind so hoch wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr. Für Anleger empfiehlt sich daher eine defensive Positionierung sowie Zurückhaltung bei bonitätsschwächeren Emittenten mit großvolumigen kurzfristigen Fälligkeiten.

Technische Faktoren: positiv

Für 2022 wurde mit hohen Neuemissionen gerechnet, die an das bisherige Rekordniveau von 541 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 anknüpfen sollten. Durch die erhöhte Volatilität bei Risikoanlagen und US-Staatsanleihen brach das Angebot jedoch ein: Die Emittenten hatten Schwierigkeiten, Zugang zu den Primärmärkten für auf US-Dollar lautende Schuldtitel zu erhalten. Die Abflüsse aus Schwellenländeranleihen in Hartwährungen beliefen sich 2022 auf 85 Milliarden US-Dollar.

Nun sind die technischen Faktoren jedoch wieder günstig. Es ist davon auszugehen, dass langfristig orientierte strategische Anleger wieder an den Markt zurückkehren. Darüber hinaus lassen sich für 2023 etwas höhere Bruttoemissionen sowie stabile Nettoemissionen prognostizieren.

Bewertungen: attraktiv

Wir halten die Anlageklasse derzeit für attraktiv bewertet: Die Spreads von Unternehmensanleihen aus Schwellenländern liegen nach wie vor rund eine Standardabweichung über dem 5-Jahres-Durchschnitt und sind somit weiterhin günstig. Auch der relative Wert sieht angesichts des attraktiven Spreadanstiegs gegenüber US-Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aus Schwellenländern vielversprechend aus.

Wertpotenzial besteht insbesondere bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Diese werden im Vergleich zu Staatsanleihen mit dem Doppelten des 5-Jahres-Durchschnitts außerordentlich günstig gehandelt. Des Weiteren ist der Aufschlag bei Unternehmensanleihen mit den Ratings AA, BBB, BB und B gegenüber vergleichbaren US-Unternehmensanleihen überaus angemessen.

Essenziell: Fundamentalanalyse, Risikomanagement und ESG-Integration

Trotz des positiven Ausblicks erfordert eine erfolgreiche Geldanlage in den Schwellenländern eine selektive Herangehensweise. Angesichts der steigenden Inputkosten lohnt es sich für Anleger, aktuell Ausschau nach unterbewerteten Unternehmen in Branchen zu halten, in denen die Emittenten eine gewisse Preissetzungsmacht haben, und defensivere Sektoren wie den nichtzyklischen Konsumgütersektor, TMT und Infrastruktur ins Auge zu fassen. Vielen Emittenten am Markt mangelt es noch an Transparenz, daher ist ein umsichtiger Ansatz für Governance-Aspekte von größter Bedeutung.

Schwellenländer-Unternehmensanleihen bieten vielfältige Chancen für alle Arten von Anlegern. Eine erfolgreiche Geldanlage erfordert aktives Risikomanagement und einen disziplinierten Bottom-up-Ansatz, der ESG-Faktoren einbezieht. So können Anleger die attraktivsten Chancen nutzen und ein robustes Portfolio aufbauen, das für alle Marktsituationen gewappnet ist.

Bild Christopher Mey, Head of Emerging Market Corporate Credit bei Candriam

Quelle Candriam/ redRobin. Strategic Public Relations GmbH

- Advertisement -spot_img
spot_img
- Advertisement -spot_img

Neueste Beiträge

Web3, NFT & Metaverse