Ein Beitrag von Saif Mohamed Dahab Mohamed übersetzt aus dem englischen im Rahmen der Serie:
Die 12 globalen Business-Trends 2025 – Herausforderungen und Chancen
Die Komplexität globaler Lieferketten
Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen, klimabedingter Störungen und wachsender Cyberangriffe ist Resilienz in der Lieferkette mehr als nur ein notwendiges Erfordernis für Unternehmen weltweit. Angesichts neuer Herausforderungen im Jahr 2025 müssen Unternehmen fortschrittliche Ansätze zur Risikominderung verfolgen und gleichzeitig ihre Geschäftskontinuität sichern.
Erklärung der Volatilität in Lieferketten
Lieferketten sind komplexe Netzwerke, die Lieferanten, Hersteller, Logistikunternehmen und Kunden über verschiedene geografische Regionen hinweg miteinander verbinden. Jede Störung – ob durch Handelsbarrieren, wetterbedingte Katastrophen oder Cyberbedrohungen – kann weitreichende Auswirkungen haben und Branchen sowie ganze Volkswirtschaften betreffen.
Die vergangenen Jahre waren durch zunehmende Störungen in den Lieferketten geprägt. Laut dem Weltwirtschaftsforum kam es in den Jahren 2023 und 2024 zu einem Anstieg von Lieferverzögerungen um 30 %, verursacht durch geopolitische Spannungen, überlastete Häfen und Materialengpässe. Naturkatastrophen wie Hurrikans in den USA und Überschwemmungen in Südostasien trugen ebenfalls zu diesen Unterbrechungen bei.
Hauptursachen für Risiken in der Lieferkette
Geopolitische Spannungen und Handelsbarrieren
Zunehmende Handelskonflikte zwischen großen Volkswirtschaften, insbesondere den USA und China, führten zu steigenden Zöllen, Exportverboten und Beschränkungen bei wichtigen Rohstoffen.
Der Krieg in Osteuropa und die Unruhen im Nahen Osten destabilisieren weiterhin die weltweite Ölversorgung und Transportwege.
Immer mehr Regierungen streben Autarkie in Schlüsselbereichen wie Halbleitern und Pharmazeutika an, was globale Lieferketten stark beeinflusst.
Klima- und Umweltstörungen
Zunehmende klimabedingte Risiken führen zu strengeren Umweltauflagen, die Produktion und Lieferketten beeinträchtigen.
Extremwetterereignisse wie Taifune in Asien oder Hitzewellen in Europa verursachen temporäre Werksschließungen und Logistikprobleme.
Cybersecurity-Risiken und Datenlücken
Cyberangriffe auf Lieferketten nehmen zu, da Hacker Sicherheitslücken in Logistik- und Lagerverwaltungssystemen ausnutzen.
Ein Bericht von Gartner aus dem Jahr 2024 zeigt, dass 60 % der Unternehmen in den letzten zwei Jahren mindestens einen schwerwiegenden Cyberangriff auf ihre Lieferkette erlebt haben.
Strategische Antworten auf Unterbrechungen in der Lieferkette
Angesichts dieser Herausforderungen setzen Unternehmen auf proaktive Strategien, die Resilienz und Flexibilität fördern:
1. Diversifikation und Lokalisierung
Viele Unternehmen reduzieren ihre Abhängigkeit von einzelnen Standorten oder Lieferanten. Das sogenannte Nearshoring – die Verlagerung von Produktionsprozessen in die Nähe des Heimatmarkts – gewinnt in Europa und Nordamerika an Bedeutung. Strategische Allianzen mit mehreren Lieferanten helfen zudem, das Risiko durch einzelne Quellen zu minimieren.
2. Digitale Transformation und prädiktive Analytik
Künstliche Intelligenz (KI) und vorausschauende Analysen dominieren das moderne Lieferkettenmanagement. Mit Echtzeitdaten lassen sich potenzielle Unterbrechungen frühzeitig erkennen und Lagerbestände optimieren. Auch Blockchain-Technologien werden vermehrt eingesetzt, um Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu erhöhen.
3. Verbesserte Cybersicherheitsmaßnahmen
Angesichts zunehmender Bedrohungen setzen Unternehmen auf fortschrittliche Sicherheitssysteme wie mehrstufige Authentifizierung, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und KI-gestützte Bedrohungserkennung.
4. Grüne Lieferketten und Nachhaltigkeit
Grüne Lieferketten und gesetzliche Vorgaben fördern einen nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen. Unternehmen setzen vermehrt auf CO₂-Reduktion, umweltfreundliche Verpackungen und verantwortungsvoll beschaffte Materialien.
Fallbeispiel: Die Halbleiterkrise und globale Reaktionen
Der globale Halbleitermangel, der 2020 begann, beeinträchtigt weiterhin zahlreiche Branchen – von der Automobilindustrie bis hin zur Unterhaltungselektronik.
Als Reaktion darauf haben große Volkswirtschaften ihre inländische Produktion massiv ausgebaut. So fördert beispielsweise der amerikanische CHIPS Act – ähnlich wie Initiativen in Europa und Asien – den Aufbau regionaler Fertigungskapazitäten, um die Abhängigkeit von wenigen dominanten Produzenten zu reduzieren.
Fazit
Das sich wandelnde Umfeld globaler Lieferketten im Jahr 2025 verlangt Anpassungsfähigkeit, technologische Innovation und strategischen Weitblick. Unternehmen, die in diversifizierte Beschaffung, digitale Transformation und nachhaltige Praktiken investieren, sind besser gerüstet, um Unsicherheiten zu begegnen und langfristige Resilienz aufzubauen.
Article links:
forbes (2025): The challenges of 2025 a practical guide for manufacturing leaders. in:
Gartner (2025): Future of supply chains in:
https://www.gartner.com/en/supply-chain/topics/future-of-supply-chain?
WSG (2025) : advance auto parts revamps supply chain in effort to reverse slump . in: https://www.wsj.com/articles/advance-auto-parts-revamps-supply-chain-in-effort-to-reverse-sales-slump-02e61f0f?
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