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Mittwoch, Dezember 7, 2022

Stornierungswelle im Wohnungsbau wegen steigender Kosten

Expertenmeinungen

Berlin, 11. Aug (Reuters) – Der Verzicht auf neue Projekte durch höhere Baukosten und steigende Zinsen lassen einer Umfrage zufolge die Wohnungsbauziele der Bundesregierung in weite Ferne rücken. Der Anteil der von gestrichenen Vorhaben betroffenen Unternehmen lag im Juli bei 11,5 Prozent, nach 12,3 Prozent im Vormonat. Im Mai hatte der Anteil sogar 15,8 Prozent betragen, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervorgeht. „Noch sind die Auftragsbücher prall gefüllt“, sagte Ifo-Forscher Felix Leiss. „Aber die explodierenden Baukosten, höheren Zinsen und schlechteren Fördermöglichkeiten stellen mehr und mehr Projekte infrage. Wir beobachten seit April eine Stornierungswelle. Die ehrgeizigen Neubauziele der Bundesregierung rücken damit in weite Ferne.“ Diese hat sich den Bau von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr zum Ziel gesetzt.

Um das zu schaffen, setzt Bundesbauministerin Klara Geywitz auf serielles Bauen. „Ich habe mir heute erst in Möckern bei Magdeburg eine Gigafactory so groß wie 17 Fußballfelder angesehen“, sagte die SPD-Politikern der Nachrichtenagentur Reuters. „Hier werden ab Ende 2022 jährlich klimaneutral bis zu 20.000 Wohnungen seriell mit Holz gefertigt. Serieller Wohnungsbau in Deutschland kommt raus aus der Nische und geht in Massenproduktion.“ So könne die Produktivität im Bausektor deutlich gesteigert werden. Das sei eine wichtige Voraussetzung dafür, um jährlich 400.000 Wohnungen errichten zu können.

„VIELE BAUSTOFFE ERHEBLICH TEURER“

Die Materialengpässe – die sich mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine drastisch verschärft hatten – entspannen sich den Ifo-Angaben zufolge nur langsam. Im Juli klagten noch immer 45,6 Prozent der Betriebe im Wohnungsbau über Lieferprobleme. Im Vormonat hatte der Anteil sogar bei 47,6 Prozent gelegen. „Infolge der Knappheit und der hohen Energiekosten haben sich viele Baustoffe erheblich verteuert“, sagte Leiss. „Die Bauunternehmen mussten daher selbst immer wieder an der Preisschraube drehen.“ 

Die Entwicklung verliert aktuell zwar etwas an Schwung. Dennoch rechnen immer noch sehr viele Befragte mit neuerlichen Preisanpassungen in den kommenden Monaten: Das Barometer für die Preiserwartungen lag bei 54,0 Punkten, nach 61,5 Punkten im Vormonat. „Gleichzeitig belasten aber die höheren Zinsen und im Wohnungsbau auch die eingeschränkten Fördermöglichkeiten die Nachfrage nach Bauleistungen“, sagte Leiss. „Am Bau kippt die Stimmung“, sagte Leiss. Für das kommende halbe Jahr befürchteten sehr viele Unternehmen Geschäftsrückgänge.

Stornierungswelle im Wohnungsbau wegen steigender Kosten

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

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