Dienstag, Februar 27, 2024
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Für wen lohnt es sich, mit Geschäft oder privat in die Schweiz zu ziehen?

Steuervorteile und andere Faktoren im Überblick

Die Schweiz und ihre Banken genießen seit jeher einen ausgezeichneten Ruf – werden auch oft als Steuerparadies eingeordnet. Doch stimmt das wirklich? Lohnt es sich vielleicht in Zeiten von Remote Work, dorthin auszuwandern oder zumindest sein Geschäft dort anzumelden? 

„Die Schweiz hat viele attraktive Vorteile sowohl für Unternehmer als auch für wohlhabende Menschen – vor allem steuerlich”, sagt Henrik Telepski, ein erfahrener Steuerberater in der Schweiz. Er kennt das Schweizer Steuerrecht auswendig und gibt Einblicke in die Vorteile, aber auch in die Besonderheiten der Schweizer Steuergesetzgebung. In diesem Artikel verrät er, für wen ein Umzug in die Schweiz tatsächlich lohnenswert ist und welche Dinge man vorher unbedingt beachten sollte.

„Steueroase Schweiz“ – Wahrheit oder nur ein Mythos?

Niedrige Steuersätze und hohe Anonymität für Anleger – das sind oft die Gründe, warum die Schweiz als Steueroase bezeichnet wird. Allerdings sind die Teilhaber von Schweizer Aktiengesellschaften nur innerhalb der Schweiz schwer identifizierbar. Bei Unternehmen, die auch im Ausland tätig sind, wird es hingegen wegen des Transparenzregisters schwierig, komplett anonym zu bleiben.

Doch im Vergleich zu anderen Steuerparadiesen hat die Schweiz mehrere Vorteile. Schweizer Unternehmen werden mit hochwertigen Produkten und Verlässlichkeit in Verbindung gebracht, was auch auf andere Branchen übertragen wird. Deutsche sowie Österreicher nehmen die Schweizer Marke als besonders wertvoll wahr, was ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist.

Darüber hinaus existieren in der Schweizer Politik Mechanismen, die Anleger schützen. Die einzelnen Kantone verwalten sich selbst und stehen in stärkerer Konkurrenz zueinander, was zu unterschiedlichen Steuersätzen und Förderprogrammen führt. Zudem haben Bürgerinnen und Bürger der Schweiz die Möglichkeit, unpopuläre Gesetzesentwürfe mithilfe eines sogenannten Referendums zu kippen, was eine besondere Form der direkten Demokratie darstellt. All diese Faktoren machen die Bezeichnung „Steueroase Schweiz“ zu einem Mythos, der mit der Realität nur teilweise übereinstimmt – denn einen rechtsfreien Raum für Steuersünder stellt die Schweiz keinesfalls dar. 

Das richtige Vorgehen bei der Firmengründung in der Schweiz

Bevor sich ein Unternehmen in der Schweiz niederlassen kann, muss das richtige Vorgehen bei der Firmengründung geklärt werden. Die Wahl der richtigen Firmenform ist von entscheidender Bedeutung, da die steuerlichen Unterschiede wesentlich sein können. Während Kapitalgesellschaften wie AG und GmbH eine optimale steuerliche Gestaltung bieten können, müssen mindestens ein Gesellschafter und der Geschäftsführer einen festen Wohnsitz und einen Handelsregistereintrag in der Schweiz haben, da der Geschäftsführer tatsächlich vor Ort sein muss. Zudem müssen 20.000 Schweizer Franken in Geld- oder Sachwerten als Startkapital im Firmenvermögen vorhanden sein. Wird das Kapital in bar eingebracht, kann es jedoch für Geschäftsausgaben verwendet werden.

Eine Alternative zur GmbH oder AG kann auch eine Einzelfirma in der Schweiz sein. Obwohl diese Firmenform steuerliche Nachteile mit sich bringen kann, ist der Gründungsprozess etwas einfacher und erfordert weder Startkapital noch einen Wohnsitz in der Schweiz. Im Gegenzug haftet der Inhaber mit seinem Eigenkapital für die Firma und kann kein Firmenvermögen bilden.

Die Gründung einer Briefkastenfirma in der Schweiz, die in einem Kanton gemeldet ist, aber andernorts geführt wird, ist nicht erlaubt. Eine solche Firma läuft immer das Risiko, aufzufliegen, was für den Inhaber finanzielle und schlimmstenfalls sogar strafrechtliche Konsequenzen haben kann. So wird in vielen Fällen eine Rückzahlung der versäumten Steuerzahlungen fällig, manchmal sogar ein Vielfaches davon, während zusätzlich eine Strafanzeige wegen Steuerhinterziehung droht, wenn der Inhaber vorsätzlich gehandelt hat.

Nur informiertes Handeln führt zum Erfolg in der Schweiz

Trotz der Bemühungen, Steuerhinterziehung zu bekämpfen, bleibt die Schweiz einer der attraktivsten Wirtschaftsstandorte, nicht nur aus steuerlicher Sicht. Unternehmen, die in der Schweiz ihren Sitz haben, profitieren von hoher Rechtssicherheit und niedrigen Gewinnsteuern, während Privatpersonen durch politische und wirtschaftliche Stabilität sichere Investments tätigen können.

Um jedoch vollständig von den Steuervorteilen zu profitieren, sollten Personen und Unternehmen bereit sein, in die Schweiz zu ziehen oder ihren Firmensitz dorthin zu verlegen und sämtliche Einkünfte in der Schweiz zu erzielen und zu versteuern. Dennoch können auch ausländische Anleger von der Anlage ihres Kapitals in der Schweiz profitieren. Es ist jedoch wichtig, sich vor der Verlegung von Eigenkapital oder Unternehmenswerten in die Schweiz von einem Treuhänder beraten zu lassen, um die besten Entscheidungen für die individuelle Situation zu treffen und die Risiken und Chancen genau abzuwägen. Letztendlich kann nur informiertes Handeln zu Erfolg in der Schweiz führen.

Autor

Henrik Telepski ist Geschäftsführer und Inhaber der Telepski Treuhand GmbH. Mit einem Team aus Experten hat sich der Finanzprofi der Aufgabe verschrieben, digitale Unternehmen dabei zu unterstützen, sich im Steuerdschungel zurechtzufinden. Dabei setzt er auf eine ganzheitliche, digitale Unternehmensberatung in Finanzfragen. Sein übergeordnetes Ziel ist, eine funktionierende Steuerstrategie auszuarbeiten, die den Unternehmen bis zu sechsstellige Einsparungen ermöglicht.

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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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