Russland-Rückzug wird für Siemens Energy teuer

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Düsseldorf, 08. Aug (Reuters) – Dem Energietechnikkonzern Siemens Energy machen die Verluste der spanischen Windturbinentochter Siemens Gamesa und der Rückzug aus dem Russlandgeschäft zu schaffen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2021/2022 fuhr der Konzern einen Verlust nach Steuern von 533 Millionen Euro ein, wie das zuletzt wegen der Turbine für die Gaspipeline Nord Stream 1 im Rampenlicht stehende Unternehmen am Montag mitteilte. Im Geschäftsjahr rechnet Siemens Energy nun unter dem Strich mit einer Ausweitung des Verlusts von 560 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Hinzu kämen Belastungen aus dem Russlandgeschäft.

Der Konzern hatte nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine Ende Februar sein Russlandgeschäft auf den Prüfstand gestellt und keine neuen Projekte angenommen. Möglich sei, dass noch Service-Dienste fortgeführt würden – etwa für die Turbinen der Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Die Details für die Restrukturierungen müssten noch geklärt werden, sagte Vorstandschef Christian Bruch. Es handle sich um unterschiedliche Geschäfte. „Es gibt verschiedene Firmen, Firmenbeteiligungen teilweise.“ Siemens Energy beschäftigt in Russland rund 900 Mitarbeiter. „Für uns war wichtig, dass wir eine Heimat auch für unsere Mitarbeiter finden.“ Die Geschäfte könnten verkauft oder abgewickelt werden.

BELASTUNGEN AUS RUSSLAND WEITGEHEND ABGESCHLOSSEN

Die Maßnahmen in Russland belasteten das Ergebnis der Sparte Gas and Power im abgelaufenen Quartal mit 200 Millionen Euro. Siemens Energy erwartet, dass die Restrukturierung zum Ende dieses Geschäftsjahres abgeschlossen ist und keine weiteren wesentlichen finanziellen Auswirkungen mehr hat.

Im Konzern belief sich das angepasste Ebita vor Sondereffekten auf minus 131 Millionen Euro – nach einem Gewinn von 54 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das klassische Geschäft Gas and Power blieb fast stabil, während die spanische Windenergietochter weiter abrutschte. Siemens Gamesa hatte bereits in der vergangenen Woche Zahlen vorgelegt und angekündigt, auch 2023 keinen Gewinn zu erzielen. Die Tochter kämpft mit hohen Kosten und mit Verzögerungen bei der Entwicklung und Auslieferung einer neuen Reihe von Turbinen. 

„Die schlechte Leistung von Siemens Gamesa wirkt sich negativ auf unser Gesamtergebnis aus. Wir erwarten vom Siemens Gamesa Management nun die konsequente Umsetzung des Sanierungsplans“, betonte Bruch. Siemens Energy hat ein Angebot von gut vier Milliarden Euro für die verbliebenen 33 Prozent an Siemens Gamesa vorgelegt und will die Tochter von der Börse nehmen, um besser durchgreifen zu können. In den kommenden Wochen erwarte Siemens Energy vom spanischen Regulierer die Freigabe der Pläne, sagte Finanzchefin Maria Ferraro. Ziel sei es, die Transaktion bis Ende des Kalenderjahres über die Bühne zu bringen.

Die von Russland für die Gaspipeline Nord Stream 1 zurück erwartete Gasturbine ist nach Angaben des für die Wartung zuständigen Konzerns noch nicht nach Russland geliefert worden. „Die Diskussionen mit dem russischen Kunden laufen weiter“, sagte Bruch. „Die Turbine ist noch in Deutschland. Es gibt noch Diskussionen, ob sie verschifft werden kann.“ Russland hat seine Gaslieferungen nach Deutschland durch die Pipeline Nord Stream 1 gedrosselt und dies mit der fehlenden Turbine begründet. Die Bundesregierung hält dies für vorgeschoben.

Russland-Rückzug wird für Siemens Energy teuer

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Titelfoto: Symbolfoto

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