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Montag, Januar 30, 2023

Russland muss Aussetzung des Getreide-Abkommens widerrufen

Expertenmeinungen

Brüssel/Kiew, 30. Okt – Die Europäische Union ruft Russland zum Widerruf der Aussetzung des Getreide-Abkommens mit der Ukraine auf. Russlands Entscheidung gefährde die wichtigste Exportroute für dringend benötigtes Getreide und Düngemittel zur Bewältigung der weltweiten Nahrungsmittelkrise, twitterte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Sonntag. Bereits am Samstagabend wertete US-Präsident Joe Biden Russlands Rückzug aus dem Abkommen als ungeheuerlich und warnte vor drohenden Hungersnöten. US-Außenminister Antony Blinken warf Moskau vor, Lebensmittel zu Waffen zu machen. 

Die Regierung in Moskau hat überraschend das von UN und der Türkei vermittelte Abkommen für unbestimmte Zeit ausgesetzt, das ukrainische Getreideausfuhren über das Schwarze Meer ermöglichte. Begründet wurde dies mit einem Drohnen-Angriff Samstag früh auf Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte nahe Sewastopol auf der Krim. Die Sicherheit des für die Getreidetransporte eingerichteten See-Korridors sei nicht mehr gewährleistet. Russland wolle das Thema am Montag vor den UN-Sicherheitsrat bringen, sagte der Vizebotschafter bei den UN, Dmitri Poljanski.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba warf Russland vor, nur einen Vorwand für eine lange geplante Maßnahme gesucht zu haben. Nach seinen Angaben ereigneten sich die von Russland angeprangerten Explosionen 220 Kilometer entfernt von dem Getreide-Korridor.

Am Sonntag reagierte Russland mit scharfer Kritik auf die Rügen von US-Präsident Biden. „Die Reaktion Washingtons auf den Terrorangriff auf den Hafen Sewastopol ist ungeheuerlich“, schrieb der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow, auf Telegram. Die rücksichtlosen Aktionen des Regimes in Kiew seien bislang nicht verurteilt worden. 

VIELE ARME LÄNDER ABHÄNGIG VON GETREIDE-IMPORTEN

Die Ukraine und Russland zählen weltweit zu den größten Getreideexporteuren. Viele Entwicklungsländer sind abhängig vom Import des Grundnahrungsmittels zu niedrigen Preisen. Das im Juli vermittelte Abkommen sollte den weltweiten Anstieg der Getreidepreise dämpfen. Seitdem wurden mehrere Millionen Tonnen Mais, Weizen, Sonnenblumenprodukte, Gerste, Raps und Soja aus der Ukraine exportiert. Vertreter der UN hatten sich noch am Mittwoch zuversichtlich gezeigt, dass die ursprünglich auf 120 Tage begrenzte Vereinbarung über Mitte November hinaus verlängert werden könne.

Der russische Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew kündigte am Samstag an, sein Land sei bereit, arme Länder in den kommenden vier Monaten mit insgesamt 500.000 Tonnen Getreide zu versorgen. „In Anbetracht der diesjährigen Ernte ist die Russische Föderation vollumfänglich bereit, ukrainisches Getreide zu ersetzen und mit erschwinglichen Preisen alle daran interessierten Länder zu beliefern.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf am Samstagabend Russland vor, Hungersnöte in Afrika, dem Nahen Osten und Südasien zu verursachen. Russland sollte aus der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) ausgeschlossen werden.

Russland muss Aussetzung des Getreide-Abkommens widerrufen

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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