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Samstag, Dezember 10, 2022

Rückschlag für Russland in der Ostukraine – Ruf nach Atomwaffen

Expertenmeinungen

Kiew, 01. Okt – Einen Tag nach der von Präsident Wladimir Putin ausgerufenen Annexion des Donbass hat Russland dort offenbar eine empfindliche Niederlage erlitten. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte am Samstag, man habe die Truppen aus dem Ort Lyman in Donezk abgezogen, um einer Einkesselung zu entgehen. Ein Sprecher der ukrainischen Armee hatte zuvor erklärt, der strategisch wichtige Ort sei eingekreist. Eine unabhängige Klärung der widersprüchlichen Angaben war nicht möglich. In einer ersten Reaktion forderte der Putin-Verbündete Ramsan Kadyrow, Machthaber der Teilrepublik Tschetschenien, den Einsatz von Atomwaffen zu prüfen. 

Russland hatte Lyman im Mai eingenommen und seitdem zu einem militärischen Zentrum ausgebaut. In der Erklärung des russischen Verteidigungsministerium hieß es, man habe dem Feind zwar schwere Verluste zugefügt. Trotzdem sei dieser militärisch „signifikant überlegen“ gewesen. Um einer drohenden Einkreisung zu entgehen, seien die Soldaten abgezogen worden. Dagegen hatte ein Sprecher der ukrainischen Streitkräfte erklärt: „Die russische Gruppe in der Umgebung von Lyman ist umzingelt.“ Dort seien bis zu 5500 Soldaten stationiert, die tatsächlich noch anwesende Zahl sei jedoch unklar. „Einige ergeben sich, es gibt viele Tote und Verwundete, aber der Einsatz ist noch nicht beendet.“ Ein von der Ukraine verbreitetes Video soll ukrainische Soldaten an der Stadtgrenze zeigen.

„EINSATZ VON ATOMWAFFEN MIT GERINGER SPRENGKRAFT“

Vor dem Krieg lebten in Lyman 20.000 Menschen. Der Ort liegt in der Region Donezk und bildet zusammen mit Luhansk den Donbass. „Lyman ist wichtig, weil es der nächste Schritt zur Befreiung des ukrainischen Donbass ist“, sagte der ukrainische Sprecher. „Es ist eine Gelegenheit, weiter nach Kreminna und Siewierodonezk zu ziehen und ist psychologisch sehr wichtig.“ Teile der Gebiete werden seit 2014 von prorussischen Separatisten kontrolliert. Donezk und Luhansk gehören zu den insgesamt vier ukrainischen Regionen, die Putin am Freitag in einer weltweit übertragenen Zeremonie als neue Mitglieder der Russischen Föderation begrüßt hatte. Die Ukraine, der Westen und am Samstag auch die Türkei wiesen den Schritt zurück. 

Tschtschenen-Führer Kadyrow kritisiert auf Telegram den für Lyman verantwortlichen russischen Befehlshaber. „Meiner persönlichen Meinung nach sollten drastischere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zur Verhängung des Kriegsrechts in den Grenzregionen und dem Einsatz von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft.“ Kadyrow gehört zu den stärksten Befürwortern des Ukraine-Krieges, den die Regierung in Moskau als militärischen Sondereinsatz bezeichnet. Tschetschenische Soldaten bilden einen Teil der Vorhut des russischen Heeres in der Ukraine.

Putin hatte mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, sollte russisches Staatsgebiet angegriffen werden – zu dem nach russischer Darstellung nun auch die vier ukrainischen Regionen gezählt werden sollen. Die Regierung in Kiew wird vom Westen umfangreich unterstützt. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht erklärte Medienberichten zufolge vor den Entwicklungen in Lyman bei einem Besuch in der Republik Moldau, die Drohungen würden von der Bundesregierung ernst genommen und sehr besorgt beobachtet. „Da gilt es, sehr aufmerksam zu sein. Aber da gilt es auch, sich von solchen Drohungen nicht lähmen zu lassen.“

Rückschlag für Russland in der Ostukraine – Ruf nach Atomwaffen

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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