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Sonntag, Januar 29, 2023

Rezessionsfurcht lässt Techwerte abstürzen – Hunderte Milliarden Börsenwert weg

Expertenmeinungen

New York, 28. Okt – Hunderte Milliarden Dollar Börsenwert sind Geschichte, allein nach den Kursrutschen vom Donnerstag – Investoren kehren nach den jüngsten Geschäftszahlen den lange hochgejubelten US-Techwerten den Rücken.

Die Inflation, die steigenden Zinsen und die Konjunkturabkühlung machen Konzernen von Amazon über Apple bis hin zu Microsoft zu schaffen. „Aus Sicht der Märkte muss man jetzt vorsichtig sein“, sagte Michael O’Rourke, Chefstratege bei JonesTrading. „Es sind die größten Werte am Markt, und wir haben zuletzt nicht viel Gutes von ihnen gehört.“

Allein die Amazon-Aktien verloren im nachbörslichen Handel 17 Prozent, der Börsenwert sank um 190 Milliarden Dollar – der Online-Händler stimmte auf ein schwaches Weihnachtsgeschäft ein und warnte wegen der steigenden Kosten vor einem möglichen Gewinneinbruch. Auch die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal fiel schlechter aus als von Analysten erwartet. „Die großen Techfirmen sind nicht immun gegenüber konjunkturellen Schwächephasen, besonders dann, wenn sie ihr Geschäft mit Verbrauchern machen“, sagte Rick Meckler, Partner bei der Investmentfirma Cherry Lane aus New Jersey. 

Besonders stark unter Druck kam die Facebook-Mutter Meta. Die Aktien verbuchten mit einem Minus von knapp 25 Prozent den zweitgrößten Tagesverlust der Firmengeschichte. Dadurch schrumpfte der Börsenwert der Facebook-Mutter um fast 86 Milliarden Dollar. Das entspricht fast der gesamten Marktkapitalisierung von Siemens. Mit 96,38 Dollar waren Meta-Titel am Donnerstag zeitweise so billig wie zuletzt vor knapp sieben Jahren. Analysten verwiesen darauf, dass Meta weiterhin Geld in kapitalintensive Projekte stecke, während der Werbemarkt austrockne. Konzernchef Mark Zuckerberg setzt auf das „Metaverse“ – eine Art digitale Welt – und investiert jährlich zehn Milliarden Dollar, rechnet aber erst in zehn Jahren damit, Geld zu verdienen. 

Nicht einmal der iPhone-Hersteller Apple konnte sich dem Abwärtstrend gänzlich entziehen, auch wenn das Unternehmen sich besser hielt als die Konkurrenz und mehr Gewinn einfuhr als von Analysten erwartet. Allerdings schwächelte auch hier der Umsatzbringer iPhone. „Wie andere größere Tech-Unternehmen leidet sogar Apple unter einer Konjunkturabkühlung und anhaltenden Lieferkettenproblemen, auch wenn das Unternehmen besser durch dieses herausfordernde Umfeld navigiert ist“, sagte Jesse Cohen, Analyst bei Investing.com. 

Bislang waren die robusten Unternehmensgewinne ein Lichtblick in einem sonst eher wirtschaftlich düsteren Jahr, auch wenn die jüngsten Zahlen Sorgen schüren, wie lange es so weitergehen könnte. Analysten rechnen nach der Vorlage der jüngsten Zahlen nur noch mit einem Gewinnplus um 2,5 Prozent bei den größten Unternehmen in den USA, Anfang Oktober waren sie noch von 4,5 Prozent ausgegangen, wie aus Berechnungen des Datenanbieters Refinitiv hervorgeht. „Die großen Tech-Unternehmen wie Amazon stellen weiterhin Leute ein und betreiben ihr Geschäft wie im Jahr 2021, aber es ist nicht mehr 2021. Wir haben jetzt 2022“, sagte Kim Forrest, Chefinvestor bei Bokeh Capital Partners. „Das kommt zur Inflation dazu. Die Leute kaufen weniger Dinge.“ 

Dazu kommt der straffere Kurs der US-Notenbank Fed. Der Ausverkauf bei den Tech-Werten „zeigt, dass die restriktive Politik der Fed in der echten Welt zu spüren ist und das Wachstum sich deutlich abkühlt“, sagte Daniel Krieter, Stratege bei BMW Capital Markets. „Jetzt müssen wir herausfinden, ob der Fed eine sanfte Landung gelingt. Es wird sehr schwierig.“ 

Damit droht nach Einschätzung einiger Analysten den großen Tech-Firmen weiteres Ungemach. Die Analysten von UBS Global Wealth Management nannten in einer Studie eine Reihe von Gründen, warum Anleger vorsichtig bleiben sollten, darunter die weiterhin hohen Gewinnerwartungen angesichts der hohen Inflation und des starken Dollar. „Auch wenn die Tech-Werte bislang sich schon deutlich schlechter geschlagen haben als der Markt, glauben wir nicht, dass der anhaltende Gegenwind vollständig in den Kursen eingepreist ist.“

Rezessionsfurcht lässt Techwerte abstürzen – Hunderte Milliarden Börsenwert weg

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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