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Samstag, Dezember 10, 2022

Porsche-Aktie behauptet sich in holprigem Gelände

Expertenmeinungen

Frankfurt, 29. Sep – Vor der Frankfurter Börse glänzten vor allem die schnittigen Porsche-Sportwagen, vom Klassiker 911 bis zum Formel-1-Renner – doch für das Börsendebüt der VW-Tochter war der Geländewagen „Cayenne“ die bessere Wahl. Angesichts der Hiobsbotschaften von Konjunktur und Inflation erlebte die Porsche-Aktie am Donnerstag ein Auf und Ab, behauptete sich aber über dem Ausgabepreis von 82,50 Euro. „Das ist ein historischer Moment für Porsche“, sagte VW- und Porsche-Chef Oliver Blume. Der 54-Jährige läutete den Handel auf dem Frankfurter Parkett symbolisch mit der schweren Börsenglocke ein. „Heute geht für uns selbst ein großer Traum in Erfüllung.“

Die Stuttgarter Porsche AG erhofft sich von dem Börsengang mehr Eigenständigkeit vom Wolfsburger Großaktionär. Doch Blume ist als Chef die Klammer, die den Konzern zusammenhält – auch wenn Investoren seine erst vor kurzem übernommene Doppelrolle hinterfragen. Von der Rendite und der Produktionstechnologie von Porsche will Volkswagen auch künftig profitieren. Der Erfolg der Stuttgarter an der Börse färbte aber nicht auf die VW-Aktie ab – im Gegenteil: Anleger schichteten von Volkswagen und Aktien der Familienholding Porsche SEPSHG_p.DE in die Vorzugspapiere des Börsenneulings um. VW-Vorzüge fielen um 5,3 Prozent und damit stärker als die Aktien anderer Autobauer, Porsche SE sogar um acht Prozent.

„Porsche war und ist die Perle von Volkswagen“, erklärte Chefanleger Chris-Oliver Schickentanz vom Fondsmanager Capitell. „Der Börsengang hat sehr, sehr transparent gemacht, welchen Wert der Markt Porsche zumisst.“ Zum Ausgabepreis der Aktien wird das Unternehmen auf Basis der börsennotierten Vorzugsaktien mit 75,2 Milliarden Euro bewertet und ist damit in Europa das wertvollste Unternehmen, das je an die Börse gebracht wurde. Zum Vergleich: Der gesamte Volkswagen-Konzern kommt auf einen Börsenwert von 83,9 Milliarden. Die Konkurrenten um die Oberklasse-Klientel, Mercedes und BMW, liegen trotz weit höherer Verkaufszahlen nur bei 58 und 47 Milliarden Euro.

BLUME: CASH IST WICHTIGER ALS GRÖßE

Blume versprach, den Erfolg von Porsche weiterhin nicht nur an steigenden Absatzahlen zu messen. 302.000 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr verkauft, mit denen Porsche 33 Milliarden Euro Umsatz und 5,3 Milliarden operativen Gewinn erwirtschaftete. Das ist dreimal so viel Umsatz und gut zweieinhalb Mal soviel Gewinn wie zehn Jahre zuvor. „Wir orientieren uns mehr an hohen Renditen und am Cash-flow“, sagte er in einem Reuters-Interview am Rande des Börsenstarts. Volumen sei bei Porsche eher das Resultat einer erfolgreichen Strategie. „Da haben wir noch viel vor in Zukunft.“ Porsche ist neben Audi der größte Ertragsbringer des Konzerns. Die operative Umsatzrendite soll mittelfristig von 15 auf 17 bis 19, langfristig sogar auf mehr als 20 Prozent steigen.

Mit einem Emissionserlös von 9,4 Milliarden Euro ist Porsche die zweitgrößte Neuemission in Deutschland – knapp übertroffen nur vom Börsengang der Deutschen Telekom vor mehr als einem Vierteljahrhundert, die 9,65 Milliarden Euro einbrachte. In diesem Jahr ist Porsche der Unternehmensberatung EY zufolge sogar der zweitgrößte Börsengang weltweit.

Der Ausgabepreis für die 113,9 Millionen Porsche-Aktien lag am oberen Ende der Angebotsspanne. In dieser Größenordnung sei die Emission mehr als fünffach überzeichnet gewesen, sagten zwei mit den monatelangen Vorbereitungen vertraute Banker. Investoren hätten Porsche-Aktien für mehr als 50 Milliarden Euro bestellt. 7,7 Prozent gingen laut Porsche an Privatanleger – für einen Börsengang in Deutschland ein ungewöhnlich hoher Wert. Blume und Finanzvorstand Lutz Meschke waren zwei Wochen lang um die halbe Welt geflogen, um für den Börsengang zu werben. „Man kann viel an Porsche mögen, die aggressive Elektrifizierungs-Strategie, den starken Cash-flow und die Premium-Marke“, sagte Portfolio-Manager Chi Chan von Federated Hermes, zu Reuters.

PORSCHE TAUGT NICHT ALS EISBRECHER

Damit widerstand Porsche dem Sturm, der an den Aktienmärkten tobt und in diesem Jahr bisher kaum Börsengänge zuließ. „Dieser Börsengang ist aufgrund seiner Größe und seines Profils schon einzigartig“, sagte Investmentbanker Malte Hopp von Citi, der die Emission begleitet hat. Für andere Börsengänge bleibe es trotz aller Euphorie um Porsche daher schwierig. „Porsche ist zwar ein Eisbrecher – aber dahinter friert gleich alles wieder zu“, beschrieb ein Banker die Stimmung.

VW-Finanzvorstand Arno Antlitz bremste im Reuters-Interview daher auch die Erwartungen, dass der Wolfsburger Konzern bald auch seine Elektrobatterie-Sparte PowerCo an die Börse bringen könnte. „Die finanzielle Flexibilität, die wir heute gewonnen haben, bietet uns die Möglichkeit, die Aktivitäten im Bereich Batterie deutlich stärker und deutlich länger selbst zu finanzieren“, sagte Antlitz. In einem nächsten Schritt sollten strategische Partner gewonnen werden. Insgesamt fließen VW mit dem Verkauf von einem Viertel der Porsche-Anteile bis Anfang des nächsten Jahres 19,5 Milliarden Euro zu. Parallel zum Börsengang kauft VW-Hauptaktionär Porsche SE – hinter dem die Nachkommen von Firmengründer Ferdinand Porsche stehen – für 10,1 Milliarden Euro weitere 12,5 Prozent an der Porsche AG, allerdings in Form von stimmberechtigten Stammaktien.

Porsche-Aktie behauptet sich in holprigem Gelände

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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