Montag, Juni 17, 2024
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Wie Umweltbewusstsein und wirtschaftlicher Erfolg Investoren anziehen

Ökotourismus boomt

Der wachsende Wunsch vieler Menschen, weniger zu fliegen, den Urlaub im Inland zu verbringen oder mit der Bahn statt mit dem Auto zu reisen, verändert die Tourismuslandschaft grundlegend. Dieser Trend hin zu nachhaltigerem Tourismus hat weitreichende Implikationen für Politik, Wirtschaft und verschiedene Industriezweige. Regierungen weltweit verschärfen ihre Emissionsvorschriften und entwickeln steuerpolitische Maßnahmen, um umweltfreundliche Praktiken zu fördern.

Der Ökotourismus, der ein Marktvolumen von 172,4 Milliarden US-Dollar erreicht hat, bietet Investoren erhebliche Wachstumsmöglichkeiten – insbesondere durch den Ausbau umweltfreundlicher Reiseinfrastrukturen und -dienstleistungen.

Unternehmen im Tourismussektor stehen zunehmend unter Druck, ihre ökologischen Fußabdrücke zu verringern und in nachhaltige Technologien zu investieren. Für Anleger eröffnen sich dadurch vielfältige Chancen in einer Branche, die sich in Richtung Nachhaltigkeit transformiert.

Laut einer aktuellen ADAC-Tourismusstudie erfreut sich Urlaub im eigenen Land und die Nutzung des Autos bei den Deutschen zunehmender Beliebtheit. Einerseits müssen viele Menschen aus finanziellen Gründen sparen, andererseits wächst das Bewusstsein für Umweltschutz und Naturbewahrung am Urlaubsort. Der Trend zu nachhaltigerem Tourismus hat das Potenzial, politische, wirtschaftliche und sektorale Märkte maßgeblich zu beeinflussen. Dies eröffnet Anlegern vielfältige Möglichkeiten. Trotz steigender Nachfrage nach nachhaltigem Reisen gibt es eine Lücke zwischen den guten Absichten der Verbraucher und ihrem tatsächlichen Verhalten.

Diese Diskrepanz bietet Chancen für wirtschaftliches Wachstum durch die Entwicklung umweltfreundlicher Reiseinfrastrukturen und Dienstleistungen. Der Tourismussektor, verantwortlich für etwa elf Prozent der globalen Emissionen, steht unter starkem Druck, seine Umweltbelastung zu reduzieren. Viele Unternehmen, darunter auch Fluggesellschaften, setzen vermehrt auf Nachhaltigkeit als zentralen Unternehmenszweck. Um den Anforderungen eines zukunftsfähigen Tourismus gerecht zu werden, müssen Reiseunternehmen in grüne Technologien investieren, Kohlenstoffausgleichsprogramme fördern und eng mit Interessensgruppen zusammenarbeiten, um einen umfassenden Wandel zu bewirken.

Bahnreisen, Camping und Co.: Profiteure des nachhaltigen Reisens

In Deutschland profitieren unterschiedliche Sektoren von der aktuellen Entwicklung. Bahnreisen erleben einen Aufschwung, da Urlauber zunehmend auf ihren CO2-Fußabdruck achten und Züge gegenüber Flugzeugen bevorzugen – insbesondere bei Inlands- und Regionalreisen. Die erhöhte Nachfrage nach Bahndienstleistungen wird wahrscheinlich Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur und -technologie stimulieren, was sowohl öffentlichen Verkehrsbehörden als auch privaten Eisenbahnunternehmen zugutekommen dürfte. Camping und Outdoor-Urlaub gewinnen ebenfalls an Beliebtheit, ebenso wie umweltfreundliche Hotels oder Bio-Bauernhöfe.

Der lokale Tourismus profitiert von authentischen Erlebnissen und der Unterstützung von regionalen Betrieben, Restaurants und Reiseveranstaltern. Die steigende Akzeptanz von Elektrofahrzeugen im privaten Bereich sowie bei Busunternehmen wie Flixbus erfordert eine erweiterte Ladeinfrastruktur. Für Investoren könnten Unternehmen, die in die Bereitstellung von E-Ladestationen und verwandten Dienstleistungen involviert sind, interessant sein. Dies umfasst Ladenetzbetreiber, Energieunternehmen und Unternehmen, die innovative Lösungen für das Laden zu Hause und in der Öffentlichkeit anbieten.

Politische Maßnahmen und Steuervorteile

Die Politik greift manchmal zu drastischen Maßnahmen, um Emissionen zu reduzieren. So hat Frankreich Kurzstreckenflüge verboten, wenn Zugreisen eine Alternative darstellen, und die Niederlande haben die Anzahl der Starts und Landungen am Flughafen Schiphol begrenzt. Seiner Meinung nach könnten ähnliche Maßnahmen auch in Deutschland umgesetzt werden. Da Regierungen zunehmend Maßnahmen gegen den Klimawandel priorisieren, sollten Investoren Strategien in Betracht ziehen, die sie auf Veränderungen in diesem Bereich vorbereiten.

Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) werden immer mehr zu einem wichtigen Bestandteil von Investitionsentscheidungen. Vor diesem Hintergrund können auch Unternehmen im Reise- und Tourismussektor priorisiert werden, die starke Umweltverantwortung, soziales Engagement und effektive Managementpraktiken aufweisen. Investoren sollten auch die Einführung von Umweltsteueranreizen im Auge behalten. Unternehmen, die in erneuerbare Energien, energieeffiziente Technologien und nachhaltige Verkehrsinfrastrukturen investieren, könnten von vorteilhaften Steuerbedingungen profitieren und somit attraktiver werden.

Zukunft der Luftfahrt braucht nachhaltige Innovationen

Die Luftfahrtindustrie steht vor der Herausforderung, die wachsende Nachfrage nach Flugreisen zu befriedigen und gleichzeitig die Kohlenstoffemissionen zu reduzieren. Einer der vielversprechendsten Bereiche zur Reduzierung von Flugemissionen ist die Einführung von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF), der aus erneuerbaren Quellen wie Pflanzen oder tierischen Materialien gewonnen wird. SAF hat das Potenzial, die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin erheblich zu reduzieren. Allerdings ist die SAF-Produktion derzeit begrenzt. Für Investoren könnte es spannend sein, Chancen bei Unternehmen zu erkunden, die in die SAF-Produktion, Forschung und Entwicklung involviert sind, sowie bei solchen, die in die Infrastruktur zur Unterstützung der SAF-Einführung investieren.

Der Luftfahrtsektor untersucht zudem aktiv technologische Fortschritte zur Verbesserung der Kraftstoffeffizienz und Reduzierung von Emissionen. Dazu gehört die Entwicklung kraftstoffeffizienterer Flugzeuge, verbesserter Triebwerksdesigns und die Erforschung elektrisch oder wasserstoffbetriebener Flugzeuge. Diese Technologien befinden sich zwar noch in einem frühen Entwicklungsstadium, bieten jedoch erhebliches Potenzial zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen in der Luftfahrt. Es gilt den Flugverkehr nicht einzustellen, sondern den Fokus darauf zu legen, diesen so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten – und dieser Übergang könnte erhebliche Chancen für Investoren bieten.

Auto: Hans Selleslagh, Deutschlandsprecher von Freedom24

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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