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Samstag, Dezember 10, 2022

Ökonomen zur Rekordinflation von 10,0 Prozent im Euro-Raum

Expertenmeinungen

Frankfurt/Berlin, 30. Sep – Die Inflation im Euro-Raum ist im September erstmals zweistellig. Die Verbraucherpreise stiegen angetrieben durch einen anhaltenden Preisschub bei Energie binnen Jahresfrist um 10,0 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit Einführung des Euro. Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

ALEXANDER KRÜGER, CHEFÖKONOM HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

„Der Aufwärtssprung der Inflationsrate hatte sich nach den deutschen Zahlen abgezeichnet. Damit katapultiert sich die Inflationsrate für einige Monate auf ein noch höheres Niveau. Beängstigend ist, dass der Inflationsanstieg rasant breiter wird. Auch der schwache Euro treibt den Inflationsanstieg. Zweit- und Drittrundeneffekte werden in den nächsten Monaten weiter auf dem Vormarsch sein, die Dürreeffekte kommen noch. Dies erhöht den Druck auf die EZB, den Leitzins schnell und kräftig anzuheben. Die hohe Kerninflation wird nur unter Hinnahme einer Rezession zu bekämpfen sein.“

JÖRG KRÄMER, CHEFVOLKSWIRT COMMERZBANK:

„Die Inflation im Euro-Raum ist überraschend auf 10,0 Prozent gestiegen, das ist ein neues Allzeithoch. Auch die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel zog kräftig von 4,3 auf 4,8 Prozent an. Die hohe Inflation hat dazu geführt, dass Umfragen zufolge immer mehr Bürger bezweifeln, ob die EZB die Inflation in der langen Sicht wie versprochen auf zwei Prozent begrenzen kann. Diese Entankerung der langfristigen Inflationserwartungen ist gefährlich. Die EZB sollte ihren Einlagensatz rasch in Richtung vier Prozent anheben.“

FRITZI KÖHLER-GEIB, CHEFVOLKSWIRTIN KFW:

„Die Preise im Euro-Raum steigen stärker und stärker. Gleichzeitig treten die Konsequenzen des anhaltend hohen Inflationsdrucks immer klarer zutage. Der Euro-Zone steht im Winter mit hoher Sicherheit eine Rezession bevor. Viele Haushalte und Unternehmen nähern sich ihrer finanziellen Schmerzgrenze oder haben sie bereits erreicht. Für die EZB geht es nun darum, den geldpolitischen Straffungskurs energisch fortzusetzen. Die Notenbank kann die wirtschaftlichen Kosten der Energiekrise allerdings nur begrenzen. Die Regierungen müssen den Rahmen für eine deutlich beschleunigte Energiewende setzen und private Investitionen in diesem Bereich erleichtern. Trotzdem wird Europa zunächst weiter auf sehr teure Energieimporte angewiesen sein. Das ist eine Realität, der wir uns stellen müssen.“

THOMAS GITZEL, CHEFÖKONOM VP BANK:

„Die gestrige deutsche Inflationsrate ließ bereits eine böse Vorahnung für die Entwicklung der Teuerungsrate in der Eurozone aufkommen – was sich auch bewahrheitet. Die Inflationsrate ist nun auch für den gemeinsamen Währungsraum zweistellig. Aber für Deutschland ist mit Besserung in den kommenden Monaten zu rechnen. Die von der deutschen Bundesregierung beschlossene Gaspreisdeckelung wird zu einer Inflationsentspannung – allerdings auf hohem Niveau – führen. 

Vermutlich wird die Europäische Zentralbank auf ihrer Oktober-Sitzung eine neuerliche Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte lancieren. In den darauffolgenden Sitzungen werden weitere geldpolitische Straffungen auf der Agenda stehen, allerdings vermutlich mit etwas kleineren Schritten. Da auch unter Berücksichtigung der staatlichen Maßnahmen die Inflationsrate deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent im kommenden Jahr bleiben wird, werden die Zinsanhebungen vorerst weitergehen.“

Ökonomen zur Rekordinflation von 10,0 Prozent im Euro-Raum

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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