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Samstag, Januar 28, 2023

Ökonomen zum unerwartet starken Rückgang der US-Inflation

Expertenmeinungen

Berlin, 13. Dez – Die Inflation in den Vereinigten Staaten ist vor der letzten US-Zinssitzung in diesem Jahr weiter auf dem Rückmarsch. Die Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen fiel im November auf 7,1 von 7,7 Prozent im Oktober, wie das Arbeitsministerium am Dienstag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Rückgang auf 7,3 Prozent gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es dazu:

DIRK CHLENCH, LBBW:

„Nach diesen Inflationsdaten dürfte aus den Reihen der US-Notenbank ein Aufatmen zu verspüren sein. Nicht nur die allgemeine Inflationsrate, sondern auch die sogenannte Kerninflationsrate fiel geringer aus als allgemein erwartet. Die Preise von Neuwagen stagnierten im November, was darauf hindeutet, dass die US-Industrie ihre Lieferketten wieder im Griff hat. Bei Gebrauchtwagen war sogar den fünfte Preisrückgang in Folge zu verzeichnen. Die weniger schwankende Preisentwicklung für Dienstleistungen ist zwar weiterhin nordwärts gerichtet, aber nicht mehr so steil wie in den vorangegangenen Monaten. Hier dürfte die schwache Konjunktur zunehmend die Preiserhöhungsspielräume eingrenzen.

Nach diesen Inflationsdaten ist es nahezu sicher, dass die US-Notenbank auf ihrer morgigen Gremiensitzung nicht abermals einen ‚Jumbo‘-Zinsschritt um 75 Basispunkte beschließen wird. Wir halten daher an unserer, seit geraumer Zeit vertretenen Auffassung fest, dass die US-Notenbank ihr Zielband für den Tagesgeldsatz ’nur‘ um 50 Basispunkte hochhieven wird. Aber auch eine Leitzinsanhebung um nur 25 Basispunkte ist nun nicht mehr völlig ausgeschlossen.“

THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:

„Der Anstieg der Inflationsraten wurde unterschätzt, und jetzt wird der Rückgang unterschätzt. Wie die fünf großen Inflationsausbrüche zwischen den 1940er und 1980er Jahren zeigen, fällt die Inflationsrate nach einem deutlichen Anstieg wieder rapide. Dieser Mechanismus muss verstanden werden. In den kommenden Monaten geht es weiter steil bergab.

Die Fed wird am Mittwoch einen kleineren Zinsschritt um 50 Basispunkte bekanntgeben. Damit dürften die US-Währungshüter auch annähernd das Zinshoch erreicht haben. Gerade die zu erwartenden weiter fallenden Inflationsraten werden Druck von der Fed nehmen, weiter deutlich an der Zinsschraube zu drehen.“

ULRICH WORTBERG, HELABA:

„Die Preisdynamik hat abgenommen. Der Basiseffekt wegen des Preisschubes im November 2021 macht sich bemerkbar. Dieser Effekt wird bis Juni 2023 anhalten und noch größer werden. Insofern sollte es nicht überraschen, wenn die US-Inflationsrate in den kommenden Monaten sukzessive sinkt. Die Fed wird daher wohl ihr Zinserhöhungstempo reduzieren, aber noch kein Ende des Zinszyklus ausrufen. Auch bei den Kernpreisen wirken Basiseffekte, wenn auch nicht im gleichen Umfang. Die Geldpolitiker werden ihr Augenmerk auch darauf lenken, denn noch sind die Raten zu hoch.“

Ökonomen zum unerwartet starken Rückgang der US-Inflation

Quelle: Reuters

Symbolfoto: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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