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Samstag, Januar 28, 2023

Menschen im Iran gedenken Amini – Polizei im Großeinsatz

Expertenmeinungen

Dubai, 26. Okt – Im Iran haben sich 40 Tage nach dem Tod von Mahsa Amini zahlreiche Menschen zusammengefunden, um der in Polizeigewahrsam ums Leben gekommenen jungen Frau zu gedenken. Im ganzen Land waren am Mittwoch Iranerinnen und Iraner zu Protesten aufgerufen, die sich längst nicht mehr nur gegen die strengen Auflagen für Frauen richten, sondern gegen die Führung der Islamischen Republik insgesamt.

In Aminis Heimatstadt Sakes in der Provinz Kurdistan war die Polizei Augenzeugen zufolge mit eine Großaufgebot im Einsatz. Auch in der Hauptstadt Teheran sowie in Täbris und Rascht im Norden des Landes berichteten Zeugen von einer enormen Polizeipräsenz auf den Straßen. Amini war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie unangemessen gekleidet gewesen sei. Im Gewahrsam kam die 22-jährige Kurdin ums Leben. Im Iran wird traditionell 40 Tage um ein Familienmitglied getrauert. 

Der Friedhof in Sakes, auf dem Amini begraben liegt, sei voller Polizisten und Angehörigen der freiwilligen Basidsch-Miliz, berichtete ein Augenzeuge. „Sie haben versucht, uns daran zu hindern, den Friedhof zu betreten, aber ich habe es geschafft hineinzukommen. Ich habe Mahsas Eltern noch nicht gesehen.“

Ein anderer Zeuge berichtete, viele Anwohner seien auf dem Weg zum Friedhof. Die Menschen haben sich den Warnungen der Sicherheitskräfte widersetzt und gehen zum Friedhof.“ Aber dort seien zahlreiche Polizisten und Milizionäre.

SCHULEN UND UNIVERSITÄTEN IN KURDISTAN GESCHLOSSEN 

Menschenrechtler berichteten, die Polizei habe wegen Bedenken, dass der 40. Tag der Trauer weitere gewaltsame Proteste auslösen könnte, Aminis Familie gewarnt, sie solle keine Gedenkprozession abhalten. Alle Schulen und Universitäten in der Provinz Kurdistan blieben am Mittwoch geschlossen, berichteten Staatsmedien. Begründet wurde dies mit einer Grippewelle. 

Es waren vor allem Studentinnen und Studenten, die als erste gegen die Führung protestierten. Ihnen schlossen sich Menschen aus praktisch allen Schichten an. Unbestätigten Berichten aus den sozialen Medien zufolge sind Arbeiter in einer Raffinerie in Teheran in den Streik getreten. Ein Mitarbeiter des Unternehmens widersprach dem Bericht. Unabhängig bestätigen ließ sich das nicht.

Auch im Internet kursierende Videos vom Friedhof in Sakes konnte Reuters nicht auf ihre Echtheit überprüfen. Sie zeigten Menschen, die das Ende der Islamischen Republik forderten und riefen „Tod Chamenei“ – des geistlichen und staatlichen Oberhauptes des Irans, Ajatollah Ali Chamenei. Andere Aufnahmen zeigten Sicherheitskräfte, die Zufahrtsstraßen nach Sakes blockierten.

Einige der schwersten Unruhen, bei denen zahlreiche Menschen getötet wurden, fanden in Gebieten mit ethnischen Minderheiten statt – wie der Kurden im Nordwesten und der Belutschen im Südosten. Sie üben seit langem Kritik an der Führung des Staates. Menschenrechtsgruppen zufolge wurden bislang mindestens 250 Protestierende getötet, darunter auch jugendliche Mädchen. Tausende Menschen wurden demnach festgenommen.

Die iranische Regierung beschuldigt die USA und andere westliche Länder, Unruhen zu schüren. Wie viele Demonstrantinnen und Demonstranten getötet wurden, ließ die Regierung bislang offen. Sie sprach aber von rund 30 getöteten Sicherheitskräften. 

Die Proteste seit dem Tod Aminis am 16. September haben sich zu einer der größten Herausforderungen für die geistliche Führung seit 1979 ausgewachsen. Damals wurde im Zuge der Islamischen Revolution der Schah gestürzt und die Islamischen Republik ausgerufen.

Menschen im Iran gedenken Amini – Polizei im Großeinsatz

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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