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Donnerstag, Dezember 1, 2022

Lawrow bereitet Erholung von Europas Börsen ein Ende

Expertenmeinungen

Frankfurt, 20. Jul (Reuters) – Eine mögliche Ausweitung der Kämpfe in der Ukraine verdirbt Anlegern die Laune. Dax und EuroStoxx50 gaben am Mittwoch ihre Anfangsgewinne ab und fielen bis zum frühen Nachmittag um jeweils etwa ein halbes Prozent auf 13.242 beziehungsweise 3573 Punkte. 

Auslöser der Trendwende waren Äußerungen des russischen Außenministers Sergej Lawrow, denen zufolge die Ziele seines Landes bei der Invasion der Ukraine nicht mehr auf den Donbass begrenzt sind. Für den Fall westlicher Lieferungen von Langstreckenwaffen an die Regierung in Kiew drohte er mit einer Ausweitung der Angriffe. 

Gleichzeitig zehrte der Gas-Streit weiter an den Nerven der Investoren. Zwar hatten Insider gesagt, dass nach Abschluss der Wartungsarbeiten an der wichtigen Pipeline „Nord Stream 1“ wieder Gas von Russland nach Deutschland fließen soll. „Der Zeitpunkt, als Anleger nun den Sommer zu genießen und die Seele baumeln zu lassen, ist trotzdem nicht gekommen“, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Erstens werden die russischen Gaslieferungen wahrscheinlich nur bei 40 Prozent der Gesamtkapazität wieder anlaufen und zweitens dürfte der russische Präsident Wladimir Putin diese weiterhin als politisches Druckmittel einsetzen, um seine Ziele in der Ukraine durchzusetzen.“

Dennoch entspannte sich die Lage am Gasmarkt vorerst weiter. Der europäische Erdgas-FutureTRNLTTFMc1 fiel um 1,3 Prozent auf 160 Euro je Megawattstunde. Bei einem kompletten Lieferstopp Russlands erwarten Experten explodierende Preise und eine Energiekrise, die Europa in eine Rezession stürzen könnten. Am Aktienmarkt ragte UniperUN01.DE mit einem Kurssprung von 15 Prozent heraus. Die Rettungspläne für den angeschlagenen Gas-Versorger nehmen Gestalt an. Der Bund will unter anderem 30 Prozent der Anteile übernehmen. Eine Lösung scheine greifbar, sagte ein Händler.

WIE STARK HEBT DIE EZB DIE ZINSEN AN? – WAS MACHT DRAGHI?

Gespannt warteten Börsianer zudem auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Insidern zufolge denken die Währungshüter inzwischen über eine Anhebung um einen halben statt einen Viertel Prozentpunkt nach. Im internationalen Vergleich erscheine solch ein Schritt aber nicht als drastisch, gab Dominic Bunning, Chef-Analyst für europäische Währungen bei der Bank HSBC, zu bedenken. So hätten auch die schwedische KroneSEK= und der neuseeländische DollarNZD= zu Kämpfen gehabt, nachdem die jeweiligen Notenbanken die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt hochgeschraubt hatten. Der EuroEUR= gab einen Teil seiner jüngsten Gewinne wieder ab und verlor 0,3 Prozent auf 1,0195 Dollar. 

Zusätzlich erschwert wird die Entscheidung der EZB durch die Regierungskrise in Italien. Ministerpräsident Mario Draghi erklärte sich nach seinem abgelehnten Rücktrittsangebot zwar zum Verbleib im Amt bereit, pocht aber als Vertrauensbeweis auf eine Mehrheit bei einer für den Abend geplanten Abstimmung im italienischen Senat. „Dass Draghi bleiben will, macht dem Markt Mut“, sagte Chris Scicluna, leitender Analyst beim Brokerhaus Daiwa. „Aber er macht es den anderen Parteien nicht leicht.“ Investoren deckten sich wieder mit italienischen Staatsanleihen ein und drückten die Rendite der zehnjährigen TitelIT10YT=RR auf 3,341 Prozent. 

SPARPLÄNE VON „LIEFERANDO“-MUTTER HEBEN BRANCHENSTIMMUNG

Gefragt waren außerdem die Aktien von Just Eat Takeaway, die sich in Amsterdam zeitweise fast 14 Prozent verteuerten. Analysten lobten den geplanten Jobabbau der „Lieferando“-Mutter in Frankreich. Dies schüre Optimismus, dass die Gewinnschwelle näher rücke. Vor diesem Hintergrund stiegen Investoren auch bei anderen Essenslieferanten ein. So gewannen die Titel von Deliveroo, Hellofresh und Delivery Hero um bis zu zehn Prozent.

Bei Volvo verdarb die Warnung vor einem Absatzrückgang Anlegern die Stimmung. Die Aktien des Pkw-Bauers fielen in Stockholm um sieben Prozent. 

Lawrow bereitet Erholung von Europas Börsen ein Ende

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

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