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Samstag, Januar 28, 2023

Kunden ziehen Milliarden von der Credit Suisse ab

Expertenmeinungen

UPDATE 15:04 Uhr Zürich, 23. Nov – Die Aktionäre der Credit Suisse haben am Mittwoch den Weg frei gemacht für die geplante Bilanzaufpolsterung der krisengeplagten Schweizer Großbank. Das Vertrauen der Kunden in das Institut bleibt jedoch angeschlagen: Trotz des Ende Oktober angestoßenen radikalen Konzernumbaus ziehen sie weiterhin Milliarden von ihren Konten ab. Auf Gruppenebene beliefen sich die Nettoabflüsse gemessen an den zum Ende des dritten Quartals verwalteten Vermögen auf rund sechs Prozent, wie die Credit Suisse bekannt gab. Vontobel-Analyst Andreas Venditti bezifferte die Nettoabflüsse damit auf 84 Milliarden Franken.

Das Management um Bank-Chef Ulrich Körner konkretisierte zudem die im Oktober abgegebene Verlustwarnung für das vierte Quartal und stellte für den Zeitraum Oktober bis Dezember vor Steuern einen Fehlbetrag von rund 1,5 Milliarden Franken in Aussicht. Das wäre der fünfte Quartalsverlust in Folge. Im Sog der sinkenden Einlagen und verwalteten Vermögen gehen die Zins-, Kommissions- und Gebühreneinnahmen zurück. Hinzu kommen negative Ertragseffekte durch den Ausstieg aus Nicht-Kerngeschäften. 

„NETTOABFLÜSSE SIND BESORGNISERREGEND“ 

Im laufenden Quartal verunsicherten Berichte in den Medien Kunden der Bank soweit, dass sie einen Teil ihrer Gelder an andere Institute transferierten. Die Kundenflucht ließ die Liquiditätsquote (LCR), die den Bestand an erstklassigen liquiden Aktiva ins Verhältnis zu den Abflüssen von Barmitteln setzt, einbrechen. Dabei habe die Credit Suisse einzelne Mindestanforderungen der Regulatoren unterschritten und auf Cash-Reserven zurückgreifen müssen. Im Geschäft mit reichen internationalen Privatkunden seien die Abflüsse gegenüber den hohen Werten der ersten beiden Oktoberwochen inzwischen deutlich zurückgegangen und in der Schweiz-Einheit hätten sich die Kundenguthaben stabilisiert. In den kommenden Monaten rechnet die Credit Suisse weiter mit gedämpften Kundenaktivitäten.

An der Börse kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Der Aktienkurs sackte in der Spitze um mehr als sechs Prozent ab. „Die massiven Nettoabflüsse im Wealth Management, dem Kerngeschäft der CS neben der Schweizer Bank, sind sehr besorgniserregend – umso mehr, als sie sich noch nicht umgekehrt haben“, erklärte Vontobel-Analyst Venditti. „Die CS muss das Vertrauen so schnell wie möglich wiederherstellen – aber das ist leichter gesagt als getan.“

EIGNER GENEHMIGEN KAPITALERHÖHUNG – MEHR EINFLUSS FÜR SAUDIS

Die überwiegende Mehrheit der Aktionäre stimmte bei einer außerordentlichen Generalversammlung zwei Transaktionen zu, mit denen die Bank insgesamt rund vier Milliarden Franken erlösen will. Mit dem Geld will die Credit Suisse, die im dritten Quartal einen Nettoverlust von vier Milliarden Franken eingefahren hatte, Zweifel an ihrer Stabilität ausräumen und einen tiefgreifenden Umbau hin zu einem risikoärmeren Geschäft finanzieren.

„Das Abstimmungsergebnis bestätigt das Vertrauen in unsere Strategie, die wir im Oktober vorgestellt haben“, sagte Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann. „Und es ist ein wichtiger Schritt beim Aufbau der neuen Credit Suisse.“ Der Manager, der im Januar in einem Notfall-Wechsel an die Spitze des Verwaltungsrats vorgerückt war, bezeichnete eine Erneuerung nicht nur aus strategischer und betrieblicher, sondern auch aus kultureller Sicht als zwingend notwendig. „Eine fest verankerte, solide Risikokultur ist daher ein grundlegender Faktor für uns.“

Im Zuge der Kapitalerhöhung bauen Investoren aus dem Nahen Osten ihren Einfluss bei dem Zürcher Institut aus. Zu den bestehenden Eignern, dem Staatsfonds von Katar und der saudischen Olayan-Familie, kommt nun neu die teilweise im Besitz des Königreichs stehende Saudi National Bank. Trotz der Kapitalspritze hat die Credit Suisse noch einen steinigen Weg vor sich. Mit dem Abbau von 9000 Stellen und dem Ausstieg aus Teilen der Investmentbank will das Geldhaus in den kommenden Jahren wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Für 2025 peilt die Bank dann eine im Branchenvergleich immer noch bescheidene Eigenkapitalrendite von sechs Prozent an.

UPDATE Zürich, 23. Nov – Die Aktionäre der angeschlagenen Credit Suisse haben grünes Licht für die geplante Aufpolsterung der Bilanz gegeben. Die überwiegende Mehrheit der Eigner sprach sich am Mittwoch auf einer außerordentlichen Generalversammlung für zwei Transaktionen aus, mit denen die Schweizer Großbank insgesamt rund vier Milliarden Franken erlösen will. Für die Kapitalerhöhung in Form einer Privatplatzierung sprachen sich 92 Prozent aus, für das Bezugsrechtsangebot 98,3 Prozent, wie Credit Suisse mitteilte. Mit dem Geld will die Bank, die im dritten Quartal einen Quartalsverlust von vier Milliarden Franken eingefahren hatte und im Schlussquartal erneut einen milliardenhohen Vorsteuerverlust erwartet, Zweifel an ihrer Stabilität ausräumen und einen tiefgreifenden Umbau hin zu einem risikoärmeren Geschäft finanzieren.

„Das Abstimmungsergebnis bestätigt das Vertrauen in unsere Strategie, die wir im Oktober vorgestellt haben“, sagte Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann. „Und es ist ein wichtiger Schritt beim Aufbau der neuen Credit Suisse.“ Die Bank wolle in den nächsten ein bis zwei Jahren Stabilität und die Basis für künftiges profitables Wachstum schaffen und habe in den letzten zwei Wochen Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie gemacht.

Die Erneuerung der Credit Suisse sei nicht nur aus strategischer und betrieblicher, sondern auch aus kultureller Sicht zwingend notwendig. Risiken dürften nur umsichtig und mit höchster Professionalität eingegangen werden und eine Speak-up-Kultur müsse gefördert werden. „Eine fest verankerte, solide Risikokultur ist daher ein grundlegender Faktor für uns“, sagte Lehmann. Wichtige Meilensteine und Ergebnisse der Strategieumsetzung sollen veröffentlicht werden.

ANLEGER AUS DEM NAHEN OSTEN BAUEN EINFLUSS AUS

Das Bezugsrechtsangebot an die Aktionäre soll der Credit Suisse früheren Angaben zufolge brutto 2,2 Milliarden Franken einbringen, die Privatplatzierung rund 1,8 Milliarden. Großanleger wie die Saudi National Bank1180.SE haben sich verpflichtet, im Rahmen der Privatplatzierung Titel zum Preis von 3,82 Franken je Aktien zu kaufen. Bei der Bezugsrechtsemission steht der Preis noch nicht endgültig fest, er dürfte aber um 2,52 Franken liegen. Der Bezugsrechtshandel soll vom 28. November bis zum 6. Dezember dauern. Als erster Handelstag für die neuen Aktien ist der 9. Dezember vorgesehen. Die definitiven Bedingungen des Bezugsrechtsangebots will die Bank voraussichtlich am 24. November 2022 bekanntgegeben.

Zuvor war wenig Kritik an den Kapitalerhöhungen aufgekommen. Zwar hatte sich die Schweizer Ethos Stiftung angesichts der Verwässerung für die bestehenden Besitzer gegen den Einstieg eines neuen strategischen Aktionärs ausgesprochen, die deutlich größeren Stimmrechtsberater Glass Lewis und ISS hatten den Vorschlag aber unterstützt. „Es ist klar, dass der Konzern Kapital benötigt,“ hatte ISS erklärt.

Mit den Transaktionen erhalten Anleger aus dem Nahen Osten noch größeres Gewicht bei dem Zürcher Institut. Zu den bestehenden Eignern, dem Staatsfonds von Katar und der saudischen Olayan-Familie, kommt nun neu die teilweise im Besitz des Königreichs stehende Saudi National Bank. Trotz der Kapitalspritze hat die Bank noch einen steinigen Weg vor sich. Mit dem Abbau von 9000 Stellen und dem Ausstieg aus Teilen der Investmentbank will Credit Suisse in den kommenden Jahren wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Für 2025 peilt die Bank dann eine im Branchenvergleich immer noch bescheidene Eigenkapitalrendite von sechs Prozent an.

Zürich, 23. Nov – Die Aktionäre der angeschlagenen Credit Suisse haben grünes Licht für die geplante Aufpolsterung der Bilanz gegeben. Die überwiegende Mehrheit der Eigner sprach sich am Mittwoch auf einer außerordentlichen Generalversammlung für zwei Transaktionen aus, mit denen die Schweizer Großbank insgesamt rund vier Milliarden Franken erlösen will. Für die Kapitalerhöhung in der Form einer Privatplatzierung sprachen sich 92 Prozent aus, für das Bezugsrechtsangebot 98,3 Prozent, wie Credit Suisse mitteilte. Mit dem Geld will die Bank, die im dritten Quartal einen Quartalsverlust von vier Milliarden Franken eingefahren hatte, Zweifel an ihrer Stabilität ausräumen und einen tiefgreifenden Umbau hin zu einem risikoärmeren Geschäft finanzieren.

Zürich, 23. Nov – Das Vertrauen der Kunden in die krisengeplagte Großbank Credit Suisse bleibt angeschlagen. Trotz des Ende Oktober angestoßenen radikalen Konzernumbaus ziehen sie weiterhin Milliarden von dem Schweizer Institut ab, wie Credit Suisse am Mittwoch vor der Abstimmung der Aktionäre über eine Kapitalerhöhung mitteilte.

Auf Gruppenebene beliefen sich die Nettoabflüsse gemessen an den zum Ende des dritten Quartals verwalteten Vermögen auf rund sechs Prozent. Vontobel-Analyst Andreas Venditti bezifferte die Nettoabflüsse damit auf 84 Milliarden Franken. 

„Im Wealth Management sind diese Abflüsse gegenüber den hohen Werten der ersten beiden Oktoberwochen 2022 deutlich zurückgegangen, haben sich aber noch nicht umgekehrt und betrugen am Ende des dritten Quartals 2022 rund zehn Prozent der verwalteten Vermögen“, hieß es in der Mitteilung. In der Schweiz-Einheit hätten sich die Kundenguthaben stabilisiert.

Das Geldhaus konkretisierte zudem die im Oktober abgegebene Verlustwarnung für das vierte Quartal und stellte für den Zeitraum Oktober bis Dezember vor Steuern einen Fehlbetrag von rund 1,5 Milliarden Franken in Aussicht. Das wäre der fünfte Quartalsverlust in Folge. Geringere Einlagen und verwaltete Vermögen dürften den Nettozinsertrag sowie die wiederkehrenden Kommissions- und Gebührenaufkommen schmälern und zu einem Verlust im Bereich Wealth Management führen, erklärte die Credit Suisse.

Hinzu kämen negative Ertragseffekte durch den angekündigten Ausstieg aus Nicht-Kerngeschäften. Die Kundenaktivität im Wealth Management und bei der Schweizer Bank sei nach wie vor gedämpft und das Institut geht davon aus, dass diese Marktbedingungen auch in den kommenden Monaten anhalten werden.

An der Börse kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Die Credit-Suisse-Aktien sackten um 5,4 Prozent ab. „Die massiven Nettoabflüsse im Wealth Management, dem Kerngeschäft der CS neben der Schweizer Bank, sind sehr besorgniserregend – umso mehr, als sie sich noch nicht umgekehrt haben“, erklärte Vontobel-Analyst Venditti. „Die CS muss das Vertrauen so schnell wie möglich wiederherstellen – aber das ist leichter gesagt als getan.“

Die Ziele für die Kapitalisierung bekräftigte die Credit Suisse. 2025 wird eine Kernkapitalquote (CET1) vor der Basel-III-Reform von mehr als 13,5 Prozent angestrebt. Während des gesamten Transformationszeitraums von 2023 bis 2025 soll eine Quote von mindestens 13 beibehalten werden. Die Aktionäre der Bank werden später am Mittwoch über eine Kapitalerhöhung in Höhe von rund vier Milliarden Franken abstimmen. Mit dem Geld will die Bank, die im dritten Quartal einen Quartalsverlust von vier Milliarden Franken eingefahren hatte, Zweifel an ihrer Stabilität ausräumen und einen tiefgreifenden Umbau hin zu einem risikoärmeren Geschäft finanzieren.

Kunden ziehen Milliarden von der Credit Suisse ab

Quelle: Reuters

Titelfoto: Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

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