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Freitag, Februar 3, 2023

Klima-Crux mit der Güterbahn – Rote Zahlen und grüne Hoffnung

Expertenmeinungen

Berlin, 09. Nov (Reuters) – Dass sich Aktivisten von „Fridays for Future“ vor Ministerien zur Demo scharen, ist fast täglich in Berlin zu beobachten. Dass die Schüler aber zusammen mit Vertretern der Chemie- und Stahlindustrie auf der Bühne stehen, ist ein eher seltener Anblick. Mitte Oktober war dies vor dem Verkehrsministerium zu beobachten.

Anlass des ungewöhnlichen Protests ist Unterstützung für eine Branche, die im Kampf gegen den Klimawandel selten im Rampenlicht steht: Die Güterbahnen in Deutschland. Für Schlagzeilen sorgen sie sonst eher wegen Lärm, Unpünktlichkeit und roten Zahlen. Dabei soll der Güterverkehr auf der Schiene eine zentrale Rolle beim Klimaschutz spielen. Doch nach Meinung von Industrie, Gewerkschaften und „Fridays for Future“ bekommt er seit Jahren keine faire Chance. Das soll sich diese Woche zumindest ein bisschen ändern.

Konkret geht es um den sogenannten Einzelwagenverkehr. Was bei Modell-Eisenbahnern beliebt ist – abkoppeln, rangieren, ankoppeln – sorgt bei den Bahnen seit langem für Verdruss und Verluste. Einzelne Waggons müssen von Betrieben abgeholt, an Bahnhöfen zusammengeführt, dann auf die Reise geschickt und häufig wieder einzeln weitergeleitet werden. Die Nachfrage der Firmen nach umweltfreundlichem Transport ist da – aber der Einzelwagen-Verkehr ist aufwendig, teuer und kaum konkurrenzfähig zum LKW. Ohne ihn aber wären Tausende Betriebe von der Schiene abgekoppelt. 

„Die Einzelwagen machen einen guten Teil des Schienengüterverkehrs aus“, sagt Cosima Ingenschay, Vize-Chefin der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Bei der Deutschen-Bahn-Tochter DB Cargo macht er etwa ein Drittel aus. „Manche Güter kann man auch gar nicht anders als so transportieren“, warnt sie mit Blick auf Spezial- und Gefahrgut-Transporte etwa für die Chemie- und Stahlindustrie. Und daher versammelten sich auch Vertreter von ihnen vor dem Ministerium von Volker Wissing (FDP). Ingenschay dringt wie sie darauf, dass der Staat hilft. 

BLICK AUF HAUSHALTSVERHANDLUNGEN IN DER NACHT ZUM FREITAG

Die Hoffnung konzentriert sich vor allem auf einen Topf im Bundeshaushalt von einer halben Milliarde Euro, der für die Schiene zur Verfügung stehen könnte. Doch die Eisenbahn verschlingt gigantische Summen, viele hoffen auf Unterstützung. Wo das Geld hinfließt, entscheidet in der Nacht zum Freitag der Haushaltsausschuss in seiner sogenannten Bereinigungssitzung.

Auch wegen des Schulterschlusses von Industrie, Klimaschützern und Gewerkschaften steht die Chance nicht schlecht, dass zumindest ein Teil zur Stützung des Einzelwagen-Verkehrs genutzt wird. „Es gibt viele Länder, die erheblich fördern“, sagt Ingenschay und verweist auf Österreich oder zuletzt auch Frankreich. Zudem: Der Einzelwagenverkehr spart täglich bis zu 40.000 Lkw-Transporte und damit jedes Jahr zwei Millionen Tonnen CO2. Der Verkehrsminister – unter Druck wegen seiner Klimabilanz – müsste so auf ihrer Seite stehen. Da Deutschland zudem wegen des Verfehlens seiner Klimaziele in diesem Bereich erstmals Verschmutzungsrechte von kaufen musste, hält Ingenschay das Geld hier für besser angelegt.

Viele Konkurrenz-Bahnen der DB konzentrieren sich nur auf lange Ganz-Züge bestückt von großen Unternehmen. Damit lässt sich besser Geld verdienen.Dennoch hält ihr Verband NEE grundsätzlich eine Förderung für richtig. Man müsse aber auch im Blick haben, dass das Geld nicht nur DB Cargo allein zugute komme. Ferner müsse geklärt werden, ob die roten Zahlen von der Bahn-Tochter alleine wegen des Einzelwagen-Verkehrs zustande kämen. 

NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger kritisiert jedoch vor allem, dass der Konkurrent LKW weiter bevorzugt wird. So würden die Klimakosten bei der Maut nicht einbezogen und die Gebühr für die übrige Umweltbelastung wie Lärm im nächsten Jahr kaum angehoben. Schließlich wollten die Bürger die LKW-Kolonnen auf die Schiene verlagert sehen.

Ziel der Regierung ist es, dass bis 2030 wenigsten 25 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene ist. Das hatte sich Deutschland allerdings schon mal für 2015 vorgenommen. Selbst die 20-Prozent-Marke wurde bisher nie erreicht.

Klima-Crux mit der Güterbahn – Rote Zahlen und grüne Hoffnung

Quelle: Reuters

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