Samstag, Juni 22, 2024
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Investitionen in die Entwicklung von Mehrwegverpackungen

Ein aktueller Marktkommentar von Felix Philipp, Head of Circular Economy Research, Lombard Odier IM (LOIM):

Der Kampf gegen die Plastikverschmutzung ist zu einem globalen Anliegen geworden. Dies zeigt sich in der zunehmenden Sensibilisierung der Verbraucher, in den Bemühungen um gesetzliche Regelungen (auch auf internationaler Ebene) und in den Verpflichtungen der Unternehmen, das Problem der Plastikverschmutzung anzugehen.

Dennoch sind die bisherigen Fortschritte begrenzt. Die Produktion von Verpackungsabfällen ist so hoch wie nie zuvor und die weltweiten Recyclingraten sind nach wie vor niedrig. Fossile Kunststoffe werden allmählich durch recycelte oder biologisch hergestellte Verpackungen ersetzt, aber die Anforderungen an Leistung und Kostenwettbewerbsfähigkeit schränken die Akzeptanz dieser Verpackungen bei den Markenherstellern immer noch ein.

Um die Krise der Kunststoffabfälle wirksam zu bekämpfen, müssen wir auch die Materialien, die wir bereits haben, besser nutzen – vor allem durch Wiederverwendung und Wiederbefüllung.

Die Rückkehr des modernen Milchmanns

Sowohl die Wiederverwendung als auch die Wiederbefüllung zielen darauf ab, die Menge der Verpackungen, die im Abfall landen, zu reduzieren. So kann der Bedarf an neuen Materialien verringert und die Umweltauswirkungen ihrer Herstellung, ihres Transports und ihrer Entsorgung reduziert werden.

Die Wiederverwendung von Verpackungen ist kein neues Konzept. Früher war der Milchmann eine vertraute Figur, die uns frische Milch in wiederverwendbaren Glasflaschen an die Haustür lieferte. Nach dem Verzehr wurden die leeren Flaschen eingesammelt, sterilisiert und wiederverwendet, wodurch der Abfall erheblich reduziert wurde. Dieses Modell war ein Beispiel für die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft, lange bevor der Begriff populär wurde.

In den letzten Jahren hat das Konzept der Wiederbefüllung und Wiederverwendung einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt und ein dynamisches Ökosystem von Unternehmen, Pilotprojekten und Kooperationen zwischen Marken und Einzelhändlern hervorgebracht. Trotz der Herausforderungen, die mit dem tiefgreifenden Wandel verbunden sind, reift die Branche allmählich.

Dies ebnet den Weg für Nachfüll- und Mehrweglösungen in größerem Maßstab und bringt uns einer nachhaltigen Zukunft mit weniger Abfall näher. Während dieses Reifeprozesses haben wir eine Reihe von Erfolgsfaktoren identifiziert, die uns optimistisch stimmen, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein echter Wandel stattfinden wird.

Entwicklung nutzerorientierter Lösungen

Es kann schwierig sein, Menschen dazu zu bewegen, neue Gewohnheiten anzunehmen und sich für Mehrweglösungen zu entscheiden. Lösungen müssen die Verbraucher ansprechen, indem sie Aufgaben erleichtern und Anreize bieten, z. B. Echtzeitinformationen oder ein müheloses Pfandsystem.

Es gibt kein Einheitsmodell für die Wiederverwendung und Wiederbefüllung, sondern die Lösungen müssen auf den jeweiligen Anwendungsfall zugeschnitten sein. Beispielsweise ist die Einführung von Mehrwegverpackungen im Hotel- und Gaststättengewerbe vielversprechend, da sie die Produktion von Kunststoffabfällen erheblich reduzieren können.

Nachfülllösungen eignen sich auch besonders gut für Hygiene- und Pflegeprodukte, insbesondere wenn sie über E-Commerce-Modelle vertrieben werden. Einige Unternehmen haben ihr Geschäftsmodell in diese Richtung entwickelt und bieten nachfüllbare Produkte auf Abonnementbasis an, was bequem ist, neue Gewohnheiten fördert und die Kundenbindung stärkt. Die in der Schweiz erhältliche Marke 900.care beispielsweise bietet nachfüllbare Lösungen an und versendet konzentriertes Pulver anstelle von Produkten, die zu 90 % mit Wasser verdünnt werden. Auf diese Weise können Plastikmüll und Kohlendioxidemissionen erheblich reduzieren werden.

Darüber hinaus erfordern Wiederverwendungs- und Nachfüllungssysteme oft eine völlig neue Infrastruktur und das Engagement und die Zusammenarbeit vieler Interessengruppen, einschließlich Marken, Einzelhändler und Behörden – von der Sammlung über die Reinigung bis hin zum Vertrieb. Daher sind starke Partnerschaften, die komplementäre Fähigkeiten vereinen, der Schlüssel zur Entwicklung von Nachfüll- und Wiederverwendungsmodellen und zur Erschließung von wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen.

Die Aussichten für Kunststoffe

Unterstützt durch das wachsende Bewusstsein und die sich ändernden Vorlieben der Verbraucher, das Engagement der Marken und die Unterstützung durch die Regulierungsbehörden sind wir der Meinung, dass Mehrweg an einem Wendepunkt steht. Die zunehmende Akzeptanz senkt die Kosten und lockt neue Akteure an. Marken und Einzelhändler beginnen, diese Modelle zu übernehmen, um ihren Nachhaltigkeitsverpflichtungen nachzukommen, regulatorische Risiken abzusichern und sinnvolle Kundenbeziehungen aufzubauen – wer dies nicht tut, riskiert Vertrauen und Marktanteile.

Auch Investoren spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Umstellung auf Nachfüll- und Mehrwegmodelle für Verpackungen voranzutreiben. Sie können eine wachsende Marktchance nutzen und die Skalierbarkeit und Innovation dieser Modelle beschleunigen, indem sie Partnerschaften und gemeinschaftliche Initiativen fördern. Letztlich bieten Investitionen in die Wiederbefüllung und Wiederverwendung von Verpackungen Anlegern die Möglichkeit, attraktive finanzielle Erträge zu erzielen und gleichzeitig einen positiven ökologischen Wandel herbeizuführen.

Investitionen in die Entwicklung von Mehrwegverpackungen

Foto von Felix Philipp (Quelle: LOIM)

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