Dienstag, Dezember 3, 2024
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Gibt es bald zu wenige Wohnungen?

Die aktuelle Lage am Immobilienmarkt 

Die Preise für Immobilien lagen nun jahrelang im Aufwärtstrend. Doch zuerst Lieferengpässe, dann die Teuerung und zuletzt der restriktive Zinskurs der EZB führten schlussendlich zum Sinkflug. Der Boom scheint zwar aktuell vorbei zu sein, jedoch ist ein Crash unwahrscheinlich. Denn vor allem in Großstädten herrscht stetiger Zuzug und permanent wird neuer Wohnraum benötigt. Warum schießen die Mieten derzeit in die Höhe und ab wann werden die Immobilienpreise wieder steigen?

Im letzten Quartal 2022 verringerten sich die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Wohnungen in Deutschland so stark wie seit 2007 nicht mehr. Sowohl in ländlichen Regionen, als auch in Städten fielen nahezu überall die Kosten – in den Metropolen etwas geringer als in dünn besiedelten Gegenden. Ein Grund für den Markt, in Unruhe zu verfallen? Laut einer Prognose des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts dürften die Eigentumswohnungspreise zwar in fast der Hälfte aller 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städten fallen. Doch insbesondere in schnell wachsenden Regionen wie Berlin, Hamburg oder München wird ein jährlicher Wertzuwachs bis 2035 erwartet. Dennoch verunsichert die Lage viele bei der Frage, ob Immobilien weiterhin eine krisensichere Anlage sind.

Immobilienmarkt im Wandel

Man muss die aktuelle Situation allerdings deutlich von jener 2008 unterscheiden. Denn wurden damals besonders amerikanische Wohnimmobilien überbewertet und -finanziert, platzte schließlich die Blase. In Österreich und Deutschland müssen Käufer jedoch einen gewissen Eigenkapitalanteil bereitstellen können. Insofern werden Immobilien hier nicht so fiktiv hoch bewertet, wie es in den USA der Fall war. Dadurch kommt es nicht so leicht zum Crash. Durchaus kann es jedoch vorkommen, dass die Immobilienpreise – im Gegensatz zur Vergangenheit – nicht jährlich um fünf bis zehn Prozent ansteigen, wie sich gerade beobachten lässt. Vor allem die Zinsbewegungen seit Juli 2022 führten zu einer Abflachung des Marktes, weil derzeit viele Kaufinteressenten schlichtweg an der Finanzierbarkeit scheitern. Wenn Banken nun knapp die Hälfte weniger Darlehen ausgeben, spiegelt sich das natürlich am Markt wider. 

Vom Kauf zur Miete?

Wohnen ist jedoch ein Grundbedürfnis und das Interesse nach einer geeigneten Immobilie ist ungebrochen. Doch erschweren die strengeren Richtlinien sowie die Zinserhöhung eine Kreditaufnahme, verlagert sich der Trend auf Mieten. Dieses Problem wird wohl noch längerfristig bestehen bleiben. Wer nicht kaufen kann, der mietet. Das bedingt jedoch, dass jemand anderer die Immobilie zuerst gekauft hat – zu ebendiesen schlechteren Bedingungen. Die teureren Zinsen versucht man dann durch die Mieteinnahmen auszugleichen, was die Mieten derzeit drastisch in die Höhe schießen lässt. Begrüßenswert ist diese Entwicklung nicht, doch neben Miet- und Mietkauflösungen gibt es derzeit wenig Alternativen.

Akuter urbaner Wohnungsmangel 

Die Bewilligungen für neue Wohnbauprojekte verzeichneten im letzten Jahr einen enormen Rückgang, Tendenz fortlaufend. Derzeit merkt man die Reduzierung noch nicht sonderlich. In diesem Jahr werden noch viele Projekte fertiggestellt, die bereits vor einigen Jahren begonnen wurden. In den nächsten ein bis zwei Jahren wird es jedoch zu einem drastischen Engpass kommen. Vor allem in Ballungszentren wie Berlin herrscht permanenter Zuzug, jährlich werden neue Wohnmöglichkeiten benötigt. Alleine im Coronajahr 2021 zogen rund 166.500 Menschen in die Landeshauptstadt. Doch unter Anbetracht von Vorlaufzeiten und Anzahl an Baubewilligungen, wird deutlich, dass im urbanen Raum bald ein akuter Wohnungsmangel herrschen könnte. 2022 wurden in Berlin ungefähr 17.000 Wohnungen fertigstellt – eine immense Differenz zur Zuwanderungsquote. Was mit den Immobilienpreise passiert, wenn das Wohnangebot abnimmt, die Nachfrage aber kontinuierlich steigt? Mittelfristig wird es höchstwahrscheinlich zum Preisanstieg kommen, ganz klassisch nach dem Angebot-Nachfrage-Prinzip.

Auswirkungen auf Bauträger und Anleger 

Immobilienentwicklern und Bauträgern hingegen stehen nach wie vor härtere Zeiten bevor. Viele Projekte, die bereits fertig und verkauft hätten werden sollen, sind verspätet – was nicht nur zusätzliche Ressourcen bedarf, sondern auch ein finanzielles Problem ist. Bauprojekte sind meist zum größten Teil fremdfinanziert. Eine Verzögerung ist dann gleichbedeutend mit einem höheren Zinsaufwand, woraus eine schlechtere Rentabilität der Immobilie selbst resultiert. Derzeit ist eine verstärkte Nachfrage nach Crowdfinanzierungen beobachtbar. Mag die Seitwärtsbewegung des Marktes für viele Anleger verunsichernd wirken, sollte man trotzdem nicht beunruhigt sein. Natürlich ist die aktuelle Lage nicht ideal, aber Wohnraum wird stetig benötigt. Eine Erholung beziehungsweise Wertsteigerung in den nächsten Jahren sehe ich als sehr realistisch an.

Autor:

Andreas Zederbauer ist Vorstand der dagobertinvest AG, einer der führenden Immo-Crowdinvesting-Plattformen im DACH-Raum.

Webseite

Foto/Quelle: dagobertinvest – Andreas_Zederbauer feel image Felicitas Matern

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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