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Freitag, Dezember 9, 2022

Gastro und Tourismus adé – Personal sucht sichere Jobs anderswo

Expertenmeinungen

Berlin, 11. Jul (Reuters) – Der Konjunktureinbruch in der Corona-Krise hat bei vielen Branchen in Deutschland zu einem massiven Aderlass des Personals geführt. Wer früher gekellnert hat, sitzt heute oft an der Supermarktkasse, arbeitet als Paketbote oder in der Lagerlogistik, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Kölner IW-Instituts hervorgeht. Im Zuge der Lockdowns kehrten vor allem viele Beschäftigte dem Tourismus, Hotel- und Gaststättengewerbe den Rücken. 2020 waren dies knapp 216.000 Personen auf der Suche nach einem sichereren Job in Pandemie-Zeiten. 

Die allermeisten Jobwechsler fingen im Verkauf an, etwa als Kassiererin oder Kassierer im Supermarkt: Hier wurden laut IW-Studie rund 34.800 Wechsler aus Gastronomie, Hotels und Tourismus registriert. Etwa 27.200 Menschen traten einen neuen Job im Verkehr- und Logistikbereich an und profitierten damit vom boomenden Online-Handel. Bei der Unternehmensführung und -organisation gelang 27.100 Menschen ein Neustart, unter anderem in Sekretariaten. Beliebte Ziele waren zudem die Lebensmittelherstellung, Reinigungsberufe und Erziehung, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zu Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) erklärte.

Bei eingetrübten Aussichten orientierten sich Menschen um. „Während der Krise dürfte für viele Sicherheit noch wichtiger geworden sein“, sagte Studienautorin Paula Risius. Aber auch sogenannte weichere Faktoren wie feste Arbeitszeiten, die sich gut mit dem Privatleben verbinden lassen, spielten eine größere Rolle. Firmen auf der Suche nach Arbeitskräften müssten attraktiver werden – also die Vereinbarkeit von Schichtarbeit und Familie verbessern, mit Arbeitszeitkonten für mehr Flexibilität oder der Organisation von Kita-Betreuung in Randzeiten. 

„Allerdings wird sich das Problem des Fachkräftemangels damit nicht komplett lösen lassen“, sagte Risius. Die Politik müsse die Zuwanderung von Fachkräften besser fördern. Das Gastgewerbe und die Luftfahrt suchen beim Neustart ihrer Branche nach vielen Corona-Beschränkungen derzeit hängeringend nach gutem Personal. Lobbyvertreter fordern hierbei von der Ampelkoalition ebenfalls leichtere Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten. Die Probleme durch den Personalmangel zeigen sich derzeit vor allem an deutschen Flughäfen, wo es zu langen Wartezeiten und Verspätungen kommt. Zudem streichen Airlines Tausende Flüge, um die Abläufe zu stabilisieren.

Gastro und Tourismus adé – Personal sucht sichere Jobs anderswo

Copyright: (c) Copyright Thomson Reuters 2022

Titelfoto: Symbolfoto

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