Donnerstag, April 18, 2024
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Die Ahr, die Flut und der Aufbau – „Helfer haben Großes geleistet“

Berlin, 12. Jul (Reuters) – Am Donnerstag und Freitag jährt sich die schlimmste Naturkatastrophe, die Rheinland-Pfalz nach den Worten von Regierungschefin Malu Dreyer je erlebt hat. Die Flut, die besonders die Ahr-Region heimsuchte, habe das Bundesland bis ins Mark erschüttert. Doch die SPD-Politikerin verwies jüngst auch darauf, dass der Wiederaufbau „mit dem Tag eins nach der Katastrophe“ begonnen habe. „Die Helfer nach der Flut haben einen ganz großen volkswirtschaftlichen Beitrag geleistet, um das Ahrtal wieder möglichst schnell in Gang zu bringen“, betont der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HwK) Koblenz, Ralf Hellrich, im Gespräch mit Reuters.

Es werde aber noch sieben bis acht Jahre dauern, bis es wieder den ursprünglichen Zustand erreicht habe. „Eine Infrastruktur, die den Tourismus in einer schönen Gestaltung zulässt, ist vielleicht schon in ein, zwei Jahren wieder möglich – nicht an allen Orten, aber doch an einigen.“ Er nennt den Rotweinwanderweg und betont, dass es schon wieder viele Events gebe: „Der Reiz des Tals ist nicht verloren, aber es gibt schon einige Teile, die sehr betroffen sind.“

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, bestätigt: „Auch ein Jahr nach der Flutkatastrophe sind die betroffenen Regionen noch schwer gezeichnet von den Schäden. Bis die Folgen der Flut beseitigt sind, wird es wohl noch Jahre dauern.“ Ohne das Engagement der vielen Helferinnen und Helfer der Diakonie Katastrophenhilfe und anderer Organisationen wäre die Lage demnach noch viel schlechter. „Ich bin tief beeindruckt von ihrem Einsatz: Sie sind geblieben, als die Kameras längst weitergezogen sind.“

KEIN PAPIERKRIEG

Nach Angaben der Landesregierung in Mainz haben die reißenden Wassermassen auf einer Länge von 40 Kilometern eine nie dagewesene Zerstörung angerichtet: 65.000 Menschen sind betroffen, rund 42.000 davon im Ahrtal. 9000 Gebäude wurden zerstört oder stark beschädigt. Mindestens 135 Menschen verloren während der Naturkatastrophe ihr Leben. Laut Ministerpräsidentin Dreyer haben Bund und Länder „mit einem historischen Hilfspaket“ 15 Milliarden Euro für den Wiederaufbau allein in Rheinland-Pfalz zur Verfügung gestellt. Die Aufbauhilfen der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) summieren sich – Stand 4. Juli – auf 538,4 Millionen Euro – allein 203,7 Millionen davon für Unternehmen.

Das Sturmtief „Bernd“ hatte auch in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen sowie in Belgien, Luxemburg und der Schweiz Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. Eine unbürokratische Pauschale sorgt in Rheinland-Pfalz dafür, dass die Betroffenen ohne großen Papierkrieg dringend benötigte Hilfsgelder erhalten. „Man hat aus Corona-Beihilfen gelernt. Und ähnlich ist es nun auch bei den Fluthilfen“, erläutert HwK-Hauptgeschäftsführer Hellrich. Dem Hausbesitzer werden demnach auf Antrag pauschal 20 Prozent auf Basis seiner Schätzung des Gesamtschadens überwiesen. Er muss später mit Belegen beweisen, dass dieses Geld auch ausgegeben worden ist: „Und zwar dezidiert“, fügt Hellrich hinzu.

„Auch wir wollen, dass die Flutbetroffenen an das Geld kommen, das sie zum Wiederaufbau brauchen, deswegen intensivieren wir die Unterstützung bei der Antragstellung neben Telefon-Hot-Lines, Info-Points jetzt auch mit Hausbesuchen“, sagte Ministerpräsidentin Dreyer auf einer Diskussionsveranstaltung.

HÜRDEN UND ENGPÄSSE 

Auch die Versicherer waren bei der Jahrhundertkatastrophe stark gefordert: Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) lag im Kreis Ahrweiler der Durchschnittsschaden bei 210.000 Euro pro Wohngebäude. Das sei der höchste jemals gemessene Schadendurchschnitt bei Wohngebäuden.

„So gut wie jeder Hausbesitzer, der versichert war, hat schnell Geld von seiner Versicherung erhalten“, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Der Kollege von der Handelskammer Koblenz stimmt zu: „Ich würde generell sagen: Die Versicherungen haben extrem schnell reagiert“, sagt Hellrich.

Doch es gebe gewisse Hürden, bevor man einen Antrag stellen könne. So sei ein valides Gutachten nötig – von einem von der ISB anerkannten Gutachter für Gebäudeschäden oder Maschinen: „Die gibt es zwar, aber die sind derzeit nicht so frei verfügbar. Das ist derzeit eine Engpass-Situation“, so Hellrich.

Die Ahr, die Flut und der Aufbau – „Helfer haben Großes geleistet“

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Titelfoto: Symbolfoto

Wichtige Entwicklungen zur Ukraine.

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