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Samstag, Februar 4, 2023

Chronik: Fast ein Jahr Krieg in der Ukraine – Eine Chronik wichtiger Phasen

Expertenmeinungen

25. Jan – Bereits im Frühjahr 2021 zieht Russland massive Truppen nahe der Grenze zur Ukraine zusammen. Während die Regierung in Moskau von Manövern auf dem eigenen Territorium spricht, befürchtet die Ukraine einen Einmarsch. Die Warnungen vor einem Angriff Russlands auf die Ukraine, der auch die Sicherheit in Europa gefährden könnte, häufen sich.

Im Laufe des Krieges versorgen die USA und europäische Länder die Ukraine mit immer mehr und immer schwereren Waffen. Durch Sanktionen versuchen sie, Russland von seinem Kurs abzubringen, seine Rüstungsindustrie zu behindern und über die Beschränkung von Gas- und Ölimporten den Geldhahn zuzudrehen.

24. FEBRUAR 2022 – BEGINN DER INVASION

Russlands Präsident Wladimir Putin befiehlt den Einmarsch in die Ukraine. Er spricht von einem „militärischen Sondereinsatz“ mit dem Ziel, das Nachbarland zu entwaffnen und von „Nazis“ zu befreien. Die Ost-Erweiterung der Nato müsse unterbunden werden. Die russischen Truppen greifen von Norden, Osten und Süden an. Die Regierung in Kiew erklärt, Putin wolle die Ukraine erobern und ihre tausendjährige Identität auslöschen. 

DIE EINNAHME KIEWS SCHEITERT 

Innerhalb weniger Stunden nach Beginn der Invasion landen russische Truppen auf dem Flugplatz Antonow nördlich von Kiew. Ziel ist die rasche Einnahme der ukrainischen Hauptstadt. Doch binnen eines Tages gelingt es den ukrainischen Truppen, die russischen Elite-Fallschirmjäger auszuschalten und die Landebahn zu zerstören. In langen Kolonnen rücken russische Panzer auf Kiew vor und erreichen den nördlichen Stadtrand. Die ukrainischen Soldaten leisten erbitterten Widerstand. Der Vormarsch der russischen Truppen bleibt stecken, sie ziehen Anfang April wieder ab. 

BUTSCHA

Nach dem Abzug der russischen Truppen vor Kiew werden Massengräber entdeckt – unter anderem im Vorort Butscha. Dort werden nach ukrainischen Angaben rund 450 Leichen gefunden, die meisten weisen Spuren von Folter oder gewaltsamem Tod auf. Fast alle waren Zivilistinnen und Zivilisten. Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen werden aufgenommen, für die russische Truppen verantwortlich gemacht werden. Russland bestreitet eine Beteiligung an gezielten Massakern. Auch nach dem Abzug russischer Truppen aus anderen Orten werden Massengräber mit Zivilisten entdeckt, so im September in Isjum. Weltweit sorgen Berichte über Massaker an der Zivilbevölkerung für Empörung.

FRÜHJAHR 2022 – RUSSLAND ÄNDERT DIE TAKTIK

Im März definiert Russland seine Kriegsziele neu. Nun heißt es, man konzentriere sich darauf, die abtrünnige Region im Donbass im Osten der Ukraine vollständig zu befreien. Dort kämpfen seit 2014 pro-russische Separatisten gegen die ukrainische Armee. In dieser Phase des Krieges gewinnen die russischen Streitkräfte langsam, aber stetig an Boden. Auf beiden Seiten werden viele Soldaten verletzt oder getötet. Die Ukraine erklärt, bis Juni seien jeden Tag 100 bis 200 ihrer Soldaten getötet worden. Russland macht solche Angaben nicht. Am 2. März erklärt Russland die völlige Kontrolle über die Stadt Cherson, am 15. März über die gleichnamige Region.

14. APRIL 2022 – DIE „MOSKWA“ WIRD GETROFFEN

Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, die „Moskwa“, wird von ukrainischen Raketen getroffen. Für die Ukraine ist dies eine wichtiger Erfolg, der die Kampfmoral stärkt – auch wenn sich die Regierung in Kiew nicht öffentlich zu dem Angriff bekennt. Für Russland ist der Verlust der „Moskwa“ eine Schmach. Die Regierung spricht von einem Unfall, bei dem ein Matrose ums Leben gekommen sei. Westliche Experten schätzen, dass die Hälfte der 450 Mann Besatzung getötet wurden. 

KESSEL UM UKRAINISCHE STÄDTE 

Russland setzt seine überlegene Artillerie ein, kesselt ukrainische Städte ein und nimmt sie unter Dauer-Beschuss. Die Zwillingsstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk in der Region Luhansk werden erobert. Obwohl die Kämpfe anhalten, erklärt Putin Anfang Juli den Sieg über die Region, die gemeinsam mit der Region Donezk den industriell geprägten Donbass bildet.

DIE BELAGERUNG VON MARIUPOL

Die südukrainische Hafenstadt Mariupol ist ein wichtiges Ziel der russischen Streitkräfte. Im März zerstören sie dort ein Theater, in dessen Keller nach ukrainischen Angaben Familien Schutz gesucht hatten. Satellitenfotos zeigen, dass vor dem Gebäude auf den Boden „Kinder“ geschrieben wurde. Russland habe das Gebäude dennoch bombardiert, teilt die Ukraine mit. Hunderte Menschen seien getötet worden. Russland erklärt den Vorfall für inszeniert, liefert dafür aber keine Beweise. Hilfskonvois versuchen, die Zivilbevölkerung aus der Stadt zu bringen. Das Rote Kreuz beschreibt die drei Monate dauernde Belagerung Mariupols als Hölle. Als letzte harren wochenlang Zivilisten und Soldaten im riesigen Asowstal-Stahlwerk aus. Mitte Mai werden die Zivilisten in Sicherheit gebracht, die Kämpfer des Asow-Regimentes ergeben sich. Die Ukraine überlässt die weitgehend zerstörte Hafenstadt den russischen Truppen. Doch Asowstal ist zum Sinnbild des Widerstands geworden.

JUNI 2022 – DIE SCHLANGENINSEL IST WIEDER UKRAINISCH

Zu Beginn ihrer Invasion bringen die russischen Streitkräfte die Schlangeninsel im Schwarzen Meer unter ihre Kontrolle. Die „Moskwa“ funkt am 24. Februar die auf der Insel stationierten ukrainischen Soldaten an und fordert sie auf, sich zu ergeben oder zu sterben. Einer der Soldaten funkt zurück: „Russisches Kriegsschiff, fick dich!“ Der Satz wird zum Slogan im Widerstand gegen die russischen Streitkräfte. Er findet sich auf Werbetafeln und T-Shirts wieder und ziert sogar eine Briefmarke. Am 30. Juni verlassen die Besatzer die Insel. Sie haben beim Versuch, das Eiland zu verteidigen, schwere Verluste erlitten.

AUGUST UND SEPTEMBER 2022 – BEGINN DER GEGENOFFENSIVE

Im August beginnt die Ukraine eine Gegenoffensive im Süden in der Region Cherson, die der Krim gegenüberliegt. Die Halbinsel wurde 2014 von Russland annektiert, dort liegt der Hauptstützpunkt seiner Schwarzmeerflotte. Anfang September, als die Aufmerksamkeit noch immer auf den Süden gerichtet ist, startet die Ukraine ihre Gegenoffensive im Osten. Dort rücken die ukrainischen Soldaten rasch vor. In der Region Charkiw verzeichnen sie erstaunliche Geländegewinne und erobern den einzigen Eisenbahnknotenpunkt zurück, der die russische Frontlinie durch den Nordosten der Ukraine versorgt.

21. SEPTEMBER 2022 – PUTIN VERKÜNDET TEILMOBILMACHUNG

Russland reagiert auf den Druck der ukrainischen Gegenoffensive. Putin verliest am 21. September die Teilmobilmachung. Zugleich droht er mit dem Einsatz von Atomwaffen. Verteidigungsminister Sergej Schoigu zufolge sollen 300.000 Reservisten eingezogen werden. Viele von ihnen setzen sich ins Ausland ab, um dem Krieg zu entgehen.

ANNEXION VON VIER UKRAINISCHEN REGIONEN

Vom 23. bis 27. September lässt Russland in den Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson, die zumindest teilweise unter seiner Kontrolle stehen, Referenden über den Anschluss abhalten. Am 30. September folgt die formelle Annexion durch Russland. Die Grenzen sind nicht genau definiert. International werden diese Annexionen genau so wenig anerkannt wie die der Krim.

8. OKTOBER 2022 – EXPLOSION AUF DER KRIM-BRÜCKE

Auf der Brücke zur Krim, die die Halbinsel mit dem russischen Festland verbindet, kommt es zu einer heftigen Explosion. Das Prestigeprojekt, das Putin selbst eingeweiht hatte, ist zu großen Teilen zerstört. Zwei Tage später folgt die Vergeltung. Die russischen Streitkräfte starten Luftangriffe auf Städte im ganzen Land, darunter Kiew und Lwiw im Westen. Am 19. Oktober verhängt Putin das Kriegsrecht über die kurz zuvor annektierten Gebiete. Einen Monat später ziehen seine Truppen aus der Stadt Cherson ab.

NOVEMBER 2022 – RUSSISCHE TRUPPEN ZIEHEN AUS CHERSON AB

Die ukrainische Gegenoffensive im Süden setzt die russischen Truppen unter Druck. Am 9. November ordnet der russische Verteidigungsminister Schoigu nahe der Stadt Cherson den Rückzug vom westlichen Ufer des Flusses Dnipro (russisch Djnepr) an. Zwei Tage später ist der Rückzug abgeschlossen.

ANGRIFFE AUF DIE INFRASTRUKTUR

Russland greift verstärkt die kritische Infrastruktur der Ukraine an – und das, wo der Winter bevorsteht. Immer wieder fällt in weiten Teilen des Landes der Strom aus. Auch die Wasserversorgung und die Heizung werden unterbrochen. Wohnhäuser werden getroffen – während Russland stets wiederholt, es würden keine Zivilisten ins Visier genommen.

10. JANUAR 2023 – WAGNER-CHEF MELDET EINNAHME VON SOLEDAR

Der Chef der russischen Söldner-Truppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, reklamiert die völlige Einnahme der Kleinstadt Soledar in der Nähe von Bachmut im Osten. Die Kämpfe halten an. Drei Tage später erklärt das Verteidigungsministerium, Soledar sei eingenommen – eine Etappe auf dem Vormarsch auf das strategisch wichtige Bachmut. Am 25. Januar teilt das ukrainische Militär mit, es habe sich aus Soledar zurückgezogen, nachdem der Durchbruch in Donezk verhindert worden sei.

25. JANUAR 2022 – DEUTSCHLAND SAGT LEOPARD-LIEFERUNG ZU

Nach langer Debatte und wachsendem internationalen Druck sagt die Bundesregierung die Lieferung von 14 Kampfpanzern vom Typ Leopard-2-A6 zu. Sie stammen aus den Beständen der Bundeswehr. Dem ging voraus, dass die US-Regierung nach Angaben von Insidern ihren Widerstand gegen die Lieferung von M1-Abrams-Panzern aufgegeben hat und bis zu 30 Stück schicken könnte. Bundeskanzler Olaf Scholz hat auf ein gemeinsames transatlantisches Vorgehen gepocht. Weitere Länder sagen die Lieferung von Leopard-Panzern aus deutscher Herstellung zu, die die Ukraine lange gefordert hat. 

Chronik: Fast ein Jahr Krieg in der Ukraine – Eine Chronik wichtiger Phasen

Quelle: Reuters

Symbolfoto: Bild von Andrzej auf Pixabay

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