Bieterrennen um Immobilienkonzern Immofinanz gewinnt an Fahrt

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Wien, 27. Jan (Reuters) – Das Bieterrennen um den österreichischen Immobilienkonzern Immofinanz geht in die nächste Runde. Nachdem der Großaktionär CPI Property Group sein laufendes Übernahmeangebot auf 22,70 von 21,20 Euro je Aktie erhöht und sich zeitgleich ein weiteres Aktienpaket an der Immofinanz gesichert hat, sind die Augen nun auf den Konkurrenten S Immo gerichtet. Der Wiener Rivale will die Sperrminorität an der Immofinanz erreichen und bietet je 23,0 Euro für die Menge an Aktien, die ihr dazu noch fehlt.

Nach Ansicht von Marktteilnehmern könnte das Unternehmen nun ebenfalls nachbessern, denn trotz der höheren Offerte hat die S Immo weniger Chancen – sie hat nur ein Teilangebot abgegeben und Aktionäre könnten dabei nicht alle Papiere loswerden. Auch bei der Offerte der CPI sieht der Markt noch Luft nach oben: Immofinanz-Papiere kletterten auf 22,90 Euro, nachdem sie am Vortag exakt auf der Höhe des neuen Angebots der CPI von 22,70 Euro geschlossen hatten.

„Eigentlich muss die S Immo noch einmal nachlegen, um auf die Sperrminorität zu kommen, nur dann haben sie eine Verhandlungsposition“, sagte ein Wiener Börsianer. Die S Immo, die 12,7 Prozent an der Immofinanz hält, wollte sich vorerst nicht dazu äußern. Für das Erreichen der Sperrminorität, mit der in Aktionärsversammlungen Entscheidungen abgeblockt werden können, müsste sie noch einmal so viele Aktien bekommen.

Die vom tschechischen Milliardär Radovan Vitek kontrollierte CPI erhöht nun jedenfalls den Druck. Für die CPI ist eine Übernahme der auf Gewerbeimmobilien in Österreich, Deutschland und Osteuropa fokussierten Immofinanz eine optimale strategische Ergänzung ihres Geschäfts. Damit käme die Firma mit Sitz in Luxemburg auf ein Immobilienportfolio im Wert von rund 16 Milliarden Euro, was im europäischen Vergleich eine respektable Größe ist.

Mit dem Hedgefonds Petrus Advisers hat CPI nun einen Kaufvertrag über dessen Immofinanz-Paket in Höhe von rund 6,8 Prozent zu 22,70 Euro je Aktie abgeschlossen. CPI hält damit bereits rund 35,5 Prozent an Immofinanz. Mit dieser Vereinbarung erhöht sich auch automatisch das Übernahmeangebot an die übrigen Immofinanz-Aktionäre auf 22,70 Euro. Die Einreichung bei der Übernahmekommission soll in den kommenden Tagen erfolgen.

Petrus Advisers, die sich in Deutschland gerade gegen den Verkauf der Aareal Bank gegen eine Gruppe von Finanzinvestoren stemmen, lehnen das konkurrierende Angebot der S Immo ab, obwohl es höher ist.

Es „entbehrt jeder Sinnhaftigkeit und Logik“, sagte der Hedgefonds, der auch an der S Immo beteiligt ist. „Die hunderten Millionen an Kapital müsste S Immo viel rentabler in ihre Kernaktivitäten investieren“, kritisierte Petrus. Man habe sich „für einen sicheren Ausstieg zu 22,70 Euro gegenüber der Unsicherheit und dem Teilangebot zu 23,0 Euro entschieden, insbesondere unter den derzeitigen Marktbedingungen“, so Petrus.

Immofinanz

FUSION VON IMMOFINANZ UND S IMMO UNTER DEM DACH VON CPI?

Am Vortag wurde das Bieterrennen zusätzlich um eine weitere Facette reicher. Der S-Immo-Aktionär Evax Holding verlangt die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, um die Aktionäre über die Abschaffung des Höchststimmrechts bei der S Immo abstimmen zu lassen. Die Evax Holding ist dem slowakischen Geschäftsmann Peter Korbacka zuzuordnen und hält 5,2 Prozent an der S Immo.

Das Höchststimmrecht war zuletzt der Knackpunkt bei einer seit Jahren diskutierten Fusion von Immofinanz und S Immo. Diese Bestimmung sieht vor, dass kein Aktionär mehr als 15 Prozent der Stimmrechte halten darf, auch wenn er einen höheren Aktienanteil besitzt. Selbst ein Mehrheitsaktionär würde damit kein Durchgriffsrecht bei Aktionärsversammlungen haben.

Die Immofinanz, die mit 26,5 Prozent Großaktionär der S Immo ist, wollte die S Immo übernehmen und diese Regelung abschaffen. Bei der Hauptversammlung erreichte sie aber nicht die notwendigen Stimmen und die Fusion war damit geplatzt. Korbacka stimmte damals noch gegen die Abschaffung dieses Rechts. Warum er seine Meinung nun geändert hat, ist unklar.

Für die CPI spielt die S Immo jedenfalls nicht nur als konkurrierender Bieter eine Rolle, sondern auch als Beteiligung. Sie hält 11,6 Prozent an S Immo und nennt in ihrer Offerte zwei denkbare Optionen: Entweder Zusammenschluss der S Immo mit der Immofinanz oder ein Verkauf der S-Immo-Papiere. Möglich ist, dass es nun unter dem Dach der CPI doch noch zu einer Fusion der beiden österreichischen Firmen kommt. Abhängig ist dies allerdings auch davon, welche Schritte die S Immo nun geht.

Bieterrennen um Immobilienkonzern Immofinanz gewinnt an Fahrt

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