Bayer-Pharma-Chef – Neue Medikamente werden Pipeline-Löcher stopfen

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Frankfurt, 13. Jan (Reuters) – Bayer steht vor einem Umbruch im Pharmageschäft: Mitte des Jahrzehnts verlieren die bislang wichtigsten Medikamente des Leverkusener Unternehmens mit Milliardenumsätzen – der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmittel Eylea – ihren Patentschutz. Dann drohen durch Konkurrenzprodukte erhebliche Umsatzeinbußen. Doch Bayer hat nach Einschätzung von Pharmachef Stefan Oelrich inzwischen ausreichend Rückenwind, um das Patentkliff zu umschiffen. „Das Entscheidende ist, dass wir unsere Pipeline erneuert haben,“ sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Interview. Dabei setzt Oelrich vor allem auf das Nierenmedikament Kerendia und das Krebsmittel Nubeqa, „die wirklich auch Schwung beim Umsatz geben werden.“

Bayer traut beiden Arzneien künftig Milliardenumsätze zu. Das Mittel Nubeqa, zu dem das Unternehmen kürzlich neue positive Studienergebnisse veröffentlichte, könnte sich zur Standardtherapie für Prostatakrebs-Patienten entwickeln, erwartet Oelrich. Zur Behandlung einer bestimmten Form von Prostatakrebs ist Nubeqa bereits weltweit in mehreren Märkten zugelassen, darunter in der EU und den USA. Blockbuster-Potenzial hat Oelrich zufolge auch der Wirkstoff Elinzanetant, der derzeit in der entscheidenden dritten Phase der klinischen Entwicklung zur Behandlung von Hitzewallungen während der Wechseljahre getestet wird und 2025 auf den Markt kommen könnte.

Hohe Erwartungen setzt das Bayer-Vorstandsmitglied zudem in seinen neuartigen Gerinnungshemmer Faktor 11, der 2026 marktbereit sein soll. Mit Faktor 11 habe das Unternehmen „einen extremen Hoffnungsträger, von dem wir vor einem Jahr nicht mal gesprochen haben“, erklärt Oelrich. „Es haben sich Dinge getan in den letzten zwölf Monaten, die unser Geschäft deutlich attraktiver machen, wir haben hier eine ganze Reihe von Produkten in der späten Phase mit Blockbuster-Potenzial.“

Im Laufe des Jahres wolle sich Bayer näher dazu äußern, mit welchen Spitzenumsätzen der Konzern bei diesen Produkten rechnet. Bislang erwartet Bayer von seinen vielversprechendsten Blockbuster-Medikamentenkandidaten in der Pipeline ein mögliches Spitzenumsatzpotenzial von mehr als drei Milliarden Euro. In den vergangenen 1,5 Jahren hat sich Bayer im Pharmageschäft vor allem mit Deals auf dem Gebiet der Zell- und Gentherapien verstärkt, diese zählen derzeit zu den teuersten Arzneien der Welt. Zur Stärkung seiner Wirkstoffforschung hat der Konzern im vergangenen Sommer zudem die Übernahme der US-Biotechfirma Vividion für 1,5 Milliarden Dollar angekündigt.

„Die Transformation ist auf gutem Weg, wir machen Riesen-Fortschritte über die letzten Jahre“, sagt Oelrich. Noch vor wenigen Jahren haben viele Analysten die Pharma-Pipeline als zu schwach bezeichnet, um Umsatzausfälle nach dem Patentablauf der Top-Medikamente auffangen zu können. „Unser Führungsteam gerade im Forschungsbereich ist nicht mit dem zu vergleichen, was wir noch vor ein paar Jahren hatten“, zeigt sich Oelrich nun optimistisch.

Etwas Luft konnte sich der Konzern durch die Verlängerung des Patents auf die einmal tägliche Verabreichung von Xarelto um 21 Monate bis Anfang 2026 durch das Europäische Patentamt im Oktober verschaffen. Das könnte sich womöglich positiv auf die Renditewartungen im Pharmageschäft auswirken. Zu den aktuellen Margenerwartungen wollte sich Oelrich nicht äußern, erklärte aber, dass in dieser Überlegung eine „gewisse Logik“ liege. Bayer geht bisher davon aus, dass die Patentabläufe zur einer Verringerung der bereinigten operativen Umsatzrendite (Ebitda-Marge) bis 2024 auf über 30 (2020: knapp 35) Prozent führen werden. 2021 dürfte sie sich auf rund 32 Prozent belaufen.

Bayer-Pharma-Chef – Neue Medikamente werden Pipeline-Löcher stopfen

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