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Mittwoch, November 30, 2022

Aktien und Euro reagieren gelassen auf XXL-Zinsschritt der EZB

Expertenmeinungen

Frankfurt, 08. Sep – Nach der größten Leitzins-Erhöhung in der Geschichte der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt ein Ausverkauf an den Aktienmärkten aus. „Der Zinsschritt war überfällig“, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Angesichts der Rekord-Inflation hätte ein zögerliches Handeln das Vertrauen in die Währungshüter weiter beschädigt. 

Dax.GDAXI und EuroStoxx50.STOXX50E grenzten ihre Verluste nach dem Entscheid etwas ein und notierten am frühen Donnerstagnachmittag jeweils rund ein halbes Prozent im Minus bei 12.849 Zählern beziehungsweise 3494 Punkten. Der EuroEUR= konnte seine anfänglichen Gewinne dagegen nicht halten und kostete 1,1007 Dollar. 

Die EZB hob den Schlüsselsatz wie erwartet um 0,75 Prozentpunkte an. „Damit unterstreicht die EZB ganz dick, dass die Bekämpfung der Inflation oberste Priorität hat“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Eine Abschwächung der Wirtschaft wäre ein Kollateralschaden, den die EZB notfalls in Kauf nimmt.“

BANKEN IM AUFWIND – EINZELHÄNDLER UNTER DRUCK

Profiteure des Zinsentscheids waren die Banken, da ihnen bei steigenden Zinsen höhere Gewinne aus dem klassischen Kreditgeschäft winken. Der europäische Branchen-Index.SX7E baute seine Gewinne aus und stieg um zwei Prozent. Die Commerzbank profitierte zusätzlich von Aussagen des Bundesfinanzministers Christian Lindner, der Spekulationen auf einen baldigen Ausstieg des Staates bei dem Frankfurter Geldhaus gedämpft hatte. Commerzbank-Aktien gewannen vier Prozent. 

Bei Einzelhändlern stiegen Investoren dagegen aus, nachdem der US-Modehändler American EagleAEO.N ein enttäuschendes Quartalsergebnis vorgelegt und Dividendenzahlungen ausgesetzt hatte. Rabatt-Aktionen und steigende Kosten drückten auf die Gewinne, schrieb Analystin Jonna Kim vom Vermögensverwalter Cowen. Den Papieren von American Eagle drohte an der Wall Street mit einem vorbörslichen Minus von gut 13 Prozent der größte Tagesverlust seit zweieinhalb Jahren. 

Im ihrem Sog fiel der europäische Einzelhandelsindex.SXRP um 2,5 Prozent. „Wenn man mehr für Energie zahlen muss, sinkt das verfügbare Einkommen“, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. „Das bedeutet weniger Umsätze für Einzelhändler.“ Vor diesem Hintergrund warnte AB FoodsABF.L wegen Einbußen bei der Mode-Tochter Primark vor einem Gewinnrückgang. Dies drückte die Aktie in London um bis zu zehn Prozent auf ein Zehn-Jahres-Tief von 1315 Pence. 

TRUSS GIBT PFUND MIT ENTLASTUNGSPAKET RÜCKENWIND

Parallel dazu stellte die britische Premierministerin Liz Truss ihre Pläne zur Entlastung der Verbraucher von den gestiegenen Energiekosten vor. Unter anderem sollen die Energiekosten für Haushalte in den kommenden beiden Jahren bei umgerechnet etwa 2900 Euro gehalten werden. Außerdem sind milliardenschwere Hilfen für Versorger und Unternehmen geplant. Das sei eine große Erleichterung, kommentierte Robert Alster, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Close Brothers. „Die verfügbaren Einkommen wären sonst auf das Niveau der 1980er Jahre gefallen und hätten eine massive Rezession ausgelöst. Dies könnte das abwenden.“ Das Pfund SterlingGBP= machte daher seine anfänglichen Verluste wett und stieg auf bis zu 1,1560 Dollar. 

Erneut abwärts ging es dagegen mit dem Preis für Erdgas. Der europäische FutureTRNLTTFMc1 verlor 2,6 Prozent auf 204 Euro je Megawattstunde. Dank der gut gefüllten Lager steige die Wahrscheinlichkeit, dass Europa trotz der Abschaltung der Pipeline „Nord Stream 1“ größere Energie-Rationierung vermeiden könne, schrieben die Analysten der SEB Bank. 

Aktien und Euro reagieren gelassen auf XXL-Zinsschritt der EZB

Quelle: Reuters

Titelfoto: Symbolfoto

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